forum homosexualität münchen e.V. | Chronik
 

Chronik der Münchner LGBTIQ*-Geschichte

In der linken Spalte sind Ereignisse verzeichnet, die für die Münchner Lesbengeschichte wichtig sind, in der rechten findet sich die Geschichte der Schwulen in München. Daten, die für verschiedene/andere Gruppen relevant sind bzw. über München hinausgreifen, sind mittig dargestellt.

Die Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist ein "work in progress": Wir freuen uns über Hinweise, Ergänzungen und eventuelle Richtigstellungen!

Neues Lesbenzentrum | 2020

In der Müllerstraße 26 wird ein neues Lesbenzentrum eröffnet.

12. Juli 2019 | Erinnerungszeichen für homosexuelles NS-Opfer

Einweihung einer Gedenktafel an der Dreimühlenstraße 28 als offizielles Erinnerungszeichen der Stadt für Max Ursprung: geboren am 9.9.1886 in Traunstein, inhaftiert am 30.4.1933 im Gefängnis Neudeck, ermordet am 12. Oktober 1942 im KZ Stutthof.

22. Dezember 2018 | Drittes Geschlecht

Das Bundeskabinett beschließt die Änderung des Personenstandsgesetzes, der neben „männlich“ und „weiblich“ einen dritten Geschlechtseintrag „divers“ im Geburtenregister ermöglicht. §22 (3): „Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so kann der Personenstandsfall auch ohne eine solche Angabe oder mit der Angabe „divers“ in das Geburtenregister eingetragen werden.“ Älteren Betroffenen gibt der neu geschaffene §45b PStG die Möglichkeit, die bisher registrierte Geschlechtsangabe und auch die Vornamen durch Erklärung ändern zu lassen. Voraussetzung ist dafür allerdings eine ärztliche Bescheinigung.

9. – 13. Mai 2018 | Various Voices

„Various Voices“, das 14. europäische LGBTI* Chorfestival, findet mit 93 Chören aus 19 Ländern im Münchner Gasteig statt.

1. Oktober 2017 | Ehe für alle

Gleichgeschlechtliche Paare werden heterosexuellen Paaren gleichgestellt: Das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts, auch „Ehe für alle“ genannt, ersetzt die eingetragene Lebenspartnerschaft, die mit den gleichen Pflichten, aber weniger Rechten ausgestattet war, und ermöglicht nun Personen gleichen Geschlechts, eine zivilrechtliche Ehe einzugehen. Auf dem Gärtnerplatz findet nach der Abstimmung im Bundestag am 30. Juni 2017 eine Kundgebung der rosa liste u. a. statt.

26. August 2017 | Festakt zu Ehren Karl Heinrich Ulrichs’

Im NS-Dokumentationszentrum findet zur Jahrestagung des Dachverbands FHG Homosexualität und Geschichte zu Ehren des Vorkämpfers für Homosexuellenrechte Karl Heinrich Ulrichs’ ein Festakt statt.

22. Juli 2017 | Rehabilitierung der nach §175 Verurteilten

Schwule Männer, die nach §175 wegen einvernehmlichem Sex verurteilt wurden, werden rehabilitiert und können auf Antrag entschädigt werden. Über 50.000 Männer waren zwischen 1945 und 1994 in der Bundesrepublik strafrechtlich verurteilt worden.

27. Juni 2017 | Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen

OB Dieter Reiter eröffnet am Oberanger/Ecke Dultstraße ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen an der Stelle des einstigen Schwulenlokals „Schwarzfischer“. Das Bodenmosaik der Künstlerin Ulla von Brandenburg in Form eines Winkels besteht aus farbigen Steinen. In einer Bodenplatte ist ein rosa Winkel, den Schwule im KZ tragen mussten, eingelassen; ein schwarzer Winkel steht als Zeichen für die Unterdrückung der Lesben. Das Denkmal setzt in seiner Buntheit ein Zeichen gegen Intoleranz und Ausgrenzung und steht für eine offene Stadtgesellschaft.

2017 | Trans*Inter*Beratungsstelle

Die Trans*Inter*Beratungsstelle der Stadt München nimmt die Arbeit auf. Sie berät trans und inter Menschen, Angehörigen und Freund_innen bei aktuellen Problemen, medizinisch-rechtlichen Fragen und in Krisensituationen und fördert die Akzeptanz von inter* und trans* Menschen.

2016 | diversity

Das LesBiSchwule und Trans* Jugendzentrum München, diversity e.V., erhält zusätzliche Räumlichkeiten in der Blumenstraße 29 für ein Jugendcafé.

21. – 22. August 2015 | Moby Dyke

Die Kunstaktion „Moby Dyke Lesbian Bar“ von Philipp Gufler und Richard John Jones findet für zwei Tage im Lothringer13/Florida in der Lothringer Straße 13 mit Cosy Pièro u. a. statt.

2015 | qffm

Der Verein Queer Culture e.V. zeigt zum ersten Mal mit dem „Queer Film Festival München“ Filme und Filmreihen.

Lesbenkulturtage | 31. Oktober – 8. November 2014

Die ersten Lesbenkulturtage, organisiert von LesKult, finden mit einem einwöchigen Programm und seither (außer 2017) jedes Jahr statt.

2014 | Pilotprojekt zur Öffnung der Langzeitpflege

Unter der Steuerung des Sozialreferats und der KGL sowie in Kooperation mit forum homosexualität münchen, Gay & Gray, rosaAlter, Sub, LeTRa und LesbenSalon startet bei der Münchenstift ein Pilotprojekt zur Öffnung der vollstationären Altenpflege für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Es werden Schulungsmaßnahmen zur Geschichte und Lebenssituation von LGBTIQ*, Veranstaltungen und Ausstellungen angeboten.

Raum für Lesbengeschichte | 4. Dezember 2013

Christine Schäfer und Albert Knoll vom forum homosexualität münchen stellen Planung und Einrichtung eines Lesbenarchivs „Raum für Lesbengeschichte“ beim Runden Tisch im Rathaus vor. Schwerpunkt sollen zunächst die Nach- und Vorlässe der Zeitzeuginnen der neuen FrauenLesbenbewegung sein.

Lesbenfrühlingstreffen | 17. – 20. Mai 2013

Das dritte Lesbenfrühlingstreffen (Trägerverein: LesKult Lesben bewegen München e.V.) findet mit ca. 700 Besucherinnen in der Hochschule München statt, Motto: „Zeitlos lesbisch – wie lebst du?“

Weiterreden | 2013

In der Nachfolge der Veranstaltung „Gemeinsam sind wir stark! Die Neue Frauen-Lesbenbewegung – was bewegt uns heute?“ der KGL 2015 trifft sich einmal monatlich eine Initiativgruppe „Weiterreden“ aus Lesben verschiedener Generationen.

26. April 2012 | Umzug des Sub

Das „Sub – Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V.“ zieht in die Müllerstraße 14 um.

2012 | Munich Kyiv Queer

Die Kontaktgruppe "Munich Kyiv Queer", Schnittstelle zwischen der Münchner und der ukrainischen Szene, setzt sich für die Menschenrechte homo-, bi- und transidenter Menschen in der Ukraine ein und initiiert und koordiniert Projekte.

2012 | ThemenGeschichtsPfad

Der ThemenGeschichtsPfad der Stadt München „Die Geschichte der Frauenbewegung in München“ erscheint.

Lesben auf dem CSD | 9. Juli 2011

Mit der Aktion „Christina Street Day“ bzw. „Christina ist da!“ und Lesbengruppen an der Spitze des Zuges verschaffen sich Lesben auf dem bisher schwul geprägten CSD mehr Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit.

„Sie war ganz schlimm schön …“ | 6. – 28. Juli 2011

Die Ausstellung der KGL mit Fotografien von Barbara Stenzel und Texten von Stephanie Gerlach im Stadtmuseum porträtiert exemplarisch zehn Biografien von Münchner Lesben.

München leuchtet“-Medaille für Lising Pagenstecher | 2011

Dr. Lising Pagenstecher, die „auf eine langjährige Forschungs- und Lehrerfahrung als Historikerin und Soziologin zurückblickt und deren Engagement der Frauen- und Lesbenbewegung und der Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmer-Vertretung galt und gilt“, erhält die silberne Medaille „München leuchtet – Den Freunden und Freundinnen Münchens“ der Stadt München.

LesbenSalon und Literatur-Lesben | 2011

Eine Initiative älterer Lesben „LesbenSalon – Sappho goes 60“ trifft sich monatlich in der Lindwurmstraße 71; außerdem entsteht ein monatlicher Lesezirkel.

2010 | ThemenGeschichtsPfad

Der ThemenGeschichtsPfad der Stadt München „Geschichte der Lesben und Schwulen in München“ wird im Stadtmuseum vorgestellt, der einzige kostenlose lesbisch-schwule Stadtführer Deutschlands.

MiLes | 2010

Die MiLes e.V., ein Freizeitverein mitteljunger Lesben von Mitte 20 bis Ende 30, gründen sich. Auflösung des Vereins 2018.

Anita-Augspurg-Preis für Polina Hilsenbeck | 2010

Polina Hilsenbeck, Autorin, Rednerin und Fortbildnerin im Bereich der Versorgung von Frauen und Lesben in Psychotherapie und Medizin erhält den Anita-Augspurg-Preis 2010 der Stadt München.

9. – 30. Oktober 2009 | „Die Verzauberten“

Die Ausstellung von KGL und Sub zeigt unter Mitarbeit vom forum im Stadtmuseum Porträts (Fotos von Susie Knoll) und Lebensgeschichten schwuler Senioren.

Lesbenhandbuch der Stadt München | 5. Juli 2008

Die Koordinierungsstelle stellt das erste Lesbenhandbuch für München „Lesben l(i)eben in München“ beim lesbischen Angertorstraßenfest vor. Es enthält Informationen zum lesbischen Leben in München.

1. Mai 2008 | Schwuler Maibaum

Am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz wird ein „schwuler“ Maibaum errichtet (auch „rosa Stangerl“ genannt), eigentlich ein „Integrationsmaibaum“, angeregt von der Münchner queeren Community als Ausdruck für die besonderen Bemühungen des Glockenbachviertels um die Integration und Repräsentanz von Minderheiten gleich welcher Couleur.

2007 | diversity-Jugendzentrum

„diversity e.V.“, der Dachverband der LesBiSchwulen Jugendgruppen München, eröffnet ein Jugendzentrum in der Blumenstraße 11.

18. August 2006 | Gleichbehandlungsgesetz

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, tritt in Kraft: Es soll Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern oder beseitigen.

Lesbisches Angertorstraßenfest | 5. August 2006

Zum 10. Geburtstag von LeTRa wird das Angertorstraßenfest gefeiert, das seither als lesbisches, queeres, buntes Straßenfest jährlich an einem Samstag im Juli stattfindet und die Pride Week vor dem CSD eröffnet.

JuLes | 2006

Die ehrenamtliche lesbische Jugendgruppe „JuLes“ gründet sich und trifft sich u.a. im LeTRa, später im Jugendzentrum diversity.

2005 | Szenestammtisch

Der Szenestammtisch wird als zentrales Vernetzungs- und Koordinierungsgremium der Community in München eingerichtet. Er setzt sich aus Vertretungen von heute über 50 Vereinen, Gruppen und Einrichtungen zusammen und trifft sich vierteljährlich in den Räumen der Münchner Aids-Hilfe.

17. November 2004 | Umzug des forum homosexualität münchen

Das forum zieht in neue, größere Räume in der Bayerstraße 77a Rgb. um.

29. Juli – 1. August 2004 | IX. Eurogames

Unter dem Motto „Munich s’ports the Rainbow" findet mit 5500 TeilnehmerInnen in 27 Sportarten die bis dahin größte lesbisch-schwule Sportveranstaltung Europas statt.

2004 | Regenbogenchor

Münchens "erster und einziger lesbisch-schwuler Kammerchor", der Regenbogenchor, gründet sich.

Lesbenfrühlingstreffen | 6. – 9. Juni 2003

Zum zweiten Mal findet das LFT in München im Anton-Fingerle-Bildungszentrum mit ca. 2000 Besucherinnen statt, Motto: „Mach’s dir lesbisch“.

23. Oktober 2002 | Gay & Gray

"Gay & Gray" gründet sich als eigenständige Selbsthilfe- und Freizeitgruppe für ältere Schwule, unter dem Dach des Sub e.V.

23. Juli 2002 | Rehabilitierung der homosexuellen NS-Verfolgungsopfer

Die Bundesregierung unter Gerhard Schröder hebt die Urteile gegen alle schwulen Männer auf, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verurteilt wurden (Änderungsgesetz zum NS-Unrechtsurteileaufhebungsgesetz).

17. Juli 2002 | AIDS-Memorial

Am Sendlinger-Tor-Platz wird das AIDS-Memorial in Form einer hellblauen Säule, gestaltet von dem Künstler Wolfgang Tillmans, enthüllt.

2. Mai 2002 | Koordinierungsstelle der Stadt München

Die KGL wird von der Landeshauptstadt München in der Angertorstraße 7 als städtische Kontakt- und Beratungsstelle eingerichtet, um die Gleichstellung und Antidiskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgender zu fördern.

Irene Schmitt und Lydia Dietrich im Stadtrat | 3. März 2002

Irene Schmitt (SPD, bis 2014) und Lydia Dietrich (Bündnis 90/Die Grünen, bis 2018) arbeiten als offen lebende Lesben im Stadtrat.

LesMamas | 2002

Die LesMamas, eine offene Gruppe für lesbische Frauen mit Kindern und/oder Kinderwunsch gründet sich (seit 2014 ein gemeinnütziger Verein).

1. August 2001 | Lebenspartnerschaftsgesetz

Das Gesetz über die eingetragene Lebenspartnerschaft (LPartG), das erstmals gleichgeschlechtlichen Beziehungen einen rechtlichen Rahmen gibt, tritt in Kraft. Das Lebenspartnerschaftsgesetz gilt bis 1. Oktober 2017.

The Tenth Muse | 2001

Die Zeitschrift „The Tenth Muse – Die Versuchung“, herausgegeben u. a. von Susanne Pallagi und Martina Wendt, berichtet über Bücher zu Frauen-/Lesbenthemen und erscheint in ca. sechs Ausgaben bis 2002.

Umzug von LeTRa | 2000

Das LeTra zieht von der Dreimühlenstraße in größere Räume in der Angertorstraße 3.

Umzug von Lillemor’s Frauenbuchladen | 2000

Der Frauenbuchladen zieht um in die Barerstraße 70. Die Geschäftsleitung haben heute Andrea Gollbach und Uschi Neubauer.

2000 | TransMann


Die Regionalgruppe München von "TransMann e.V.", ein bundesweiter Verein für Frau-zu-Mann, Trans* und Inter*-Personen, gründet sich.

Juli 1999 | Team München

„Team München e.V., Münchens schwul-lesbisch-transgender Sportverein“ wird gegründet. Das Programm umfasst heute mehr als 20 Sportarten.

19. April 1999 | forum homosexualität und geschichte

Am 19. April gründet sich das „forum homosexualität und geschichte e.V.“, 2008 Umbenennung in „forum homosexualität münchen – Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur“. 2000 werden eigene Räume in der Müllerstraße 43a Rgb. bezogen.

13. Juni 1999 | LSVD Bayern

Der Landesverband Bayern des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland e.V. wird gegründet.

FrauenWohnen eG | 1998

Die Wohnungsbaugenossenschaft FrauenWohnen eG gründet sich. Sie erhält 2007 den Anita-Augspurg-Preis.

16. – 19. Mai 1997 | Various Voices

„Various Voices“, das europaweite lesbisch-schwule Chorfestival, findet mit 54 Chören aus neun Ländern im Münchner Gasteig statt.

Netzwerk katholischer Lesben | 1997

Das Netzwerk katholischer Lesben gründet sich in München und ist seit 2015 ein gemeinnütziger Verein.

Frauenfilmfestival | 1997

Im Rio Filmpalast zeigt die Frauenfilminitiative Scala auf einem dreitägigen Frauenfilmfestival siebzehn Filme. Weitere Filmreihen folgen bis in die Nullerjahre.

1997 | Der Runde Tisch

Der Runde Tisch zur Gleichstellung von Lesben und Schwulen, eine Initiative von Bürgermeister Hep Monatzeder und Stadtrat Thomas Niederbühl, tritt zum ersten Mal zusammen, erörtert seither grundsätzliche und aktuelle Themen und Probleme von Lesben, Schwulen und Transgender in München und arbeitet an Lösungen zu Ausgrenzung und Benachteiligung.

Lesbenfrühlingstreffen | 24. – 27. Mai 1986

Das Lesbenfrühlingstreffen (früher Lesbenpfingsttreffen) findet mit ca. 5000 Besucherinnen wieder in München im Anton-Fingerle-Bildungszentrum statt, Motto: "Und sie bewegt sich doch!“

10. März 1996 | Die Rosa Liste im Stadtrat

Bei der Münchner Stadtratswahl zieht die Rosa Liste mit Thomas Niederbühl als europaweit erste schwul-lesbische Wählervereinigung in den Stadtrat (1,8 %) ein.

Frauenrestaurant Vita S. | 1996

Das Frauenrestaurant „Vita S.“ eröffnet in der Morassistraße 16 unter Wirtin Vera Eich. Es existiert bis 1997.

LeTRa | 1996

Gründung von LeTra (Lesben(T)Raum) als Nachfolgerin der lib in der Dreimühlenstraße 23 mit städtischer Förderung.

18. Juni 1995 | Rosa-Winkel-Gedenkstein

Der Rosa-Winkel-Gedenkstein für die homosexuellen Opfer des KZ Dachau wird, u.a. auf Betreiben Max Mannheimers, von der Evangelischen Versöhnungskirche in den Gedenkraum des Museums der KZ-Gedenkstätte überführt.

1995 | Maude & Miriam

Im schwulen Buchladen „Max & Milian“ wird eine lesbische Abteilung „Maude & Miriam“ eröffnet.

Melodiva Lesbenchor | 1995

„Melodiva Lesbenchor“ gründet sich.

1995 | Bau

Die schwule Kneipe „Bau“ eröffnet in der Müllerstraße 41. Schließung 2017.

daneben | 1995

Das nichtkommerzielle Kollektiv „daneben“ veranstaltet (bis heute) FrauenLesben-Partys und zeigt Filme im Tröpferlbad in der Thalkirchnerstraße 104.

Arbeitskreis lesbischer Lehrerinnen | 1995

Der AK trifft sich in größeren, aber regelmäßigen Abständen bis 1999.

1. Juni 1994 | Umzug des Sub

Das "Sub – Zentrum schwuler Männer" zieht in die Müllerstraße 43 um.

31. Mai 1994 | Aufhebung des §175

Der §175 wird unter der Regierung Helmut Kohl aufgehoben.

Christliche Lesben-Netzwerke | 9. – 13. Juni 1993


Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in München treten christliche Lesben-Netzwerke erstmals eigenständig auf.

1993 | Rosa Liste

Die Rosa Liste öffnet sich den Lesben: „Rosa Liste – jetzt lesbisch-schwul?“, eine Veranstaltung organisiert vom AK Uferlos. In der folgenden Stadtratswahl treten sowohl schwule als auch lesbische KandidatInnen an.

Scala-Frauenfilminitiative | 1993

Die Scala-Frauenfilminitiative (Monika Neuser, Stefanie Gerlach, Barbara Stenzel und Sabine Holm) zeigt im Maxim bis 1999 monatlich Filme von Frauen aus aller Welt, zum Teil vor reinem Frauenpublikum.

Lilamunde Lesbenvocal | 1993

Der Chor „Lilamunde Lesbenvocal“ gründet sich.

lib – Lesbeninformation und -beratung | 1993

Die lib (Lesbeninformation und -beratung) entsteht in der Dreimühlenstraße 23. Trägerverein ist der Lesbentelefon e.V., dem 1994 die Gemeinnützigkeit zuerkannt wird. Die lib muss 1995 schließen, weil die städtische Förderung zunächst nicht weiterläuft.

 

1993 | VLSP

In München wird der VLSP e.V. als Interessenvertretung für alle Fach- und Arbeitsbereiche der Psychologie gegründet. Seit 2015 trägt er den Namen „Verband für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie“.

1992 | Aufklärungsprojekt München

Unter dem Dach des Vereins Gleich & Gleich gründet sich das Aufklärungsprojekt – lesbisches und schwules Leben (seit 2013 als eigener Verein Aufklärungsprojekt München e.V.), das in Schulbesuchen und Fortbildungen über sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität informiert.

Bimovie | 23. November – 1. Dezember 1991

Die Frauenfilmgruppe Geierwallis begründen die bis heute jährlich stattfindende Filmreihe „Bimovie – eine Frauenfilmreihe“ mit Independentfilmen von und für Frauen, zunächst im Kulturladen Westend, später im Maxim.

7. September 1991 | Erstes Straßenfest in der Hans-Sachs-Straße

Zum fünften Geburtstag des Sub findet das erste schwule Hans-Sachs-Straßenfest mit 3000 Gästen statt.

1. – 7. August 1991 | Verzaubert

Zum ersten Mal finden in München (neben Frankfurt, Köln und Berlin) die Lesben- und Schwulenfilmtage „Verzaubert“ statt. Von 2009 bis 2011 wird es als „Verzaubert Queer Film Weekend“ auf ein Filmwochenende ohne Gäste oder Preise reduziert und geht 2012 als Sektion im neu gegründeten „Liebe Filme Festival“ auf.

8. Dezember 1990 | Umzug des Sub

Der Sub-Infoladen eröffnet in der Müllerstraße 38 weitere Räume und erhält ein Jahr später städtische Regelförderung. Es fasst bis heute schwule Kultur, Beratung und Prävention zusammen.

31. August 1990 | Einigungsvertrag

Im Einigungsvertrag zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland, in Kraft getreten am 3.10.1990, gilt der §175 auch für die neuen Bundesländer, jedoch mit der Maßgabe, ihn nicht anzuwenden.

1990 | Philhomoniker

Die "Philhomoniker – Schwuler Chor München" gründen sich.

LuK München | 1990

Gründung einer LuK- (Lesben und Kirche-) Gruppe in München. Die erste Versammlung findet in der Nümfe statt. Die Gruppe ist heute in der Dankeskirche in Milbertshofen beheimatet.

9. September 1989 | Max & Milian

Der schwule Buchladen Max & Milian wird in der Gabelsbergerstr. 65 eröffnet, Inhaber sind Rolf Klaiber und Jan Kowalczyk. 1995 Umzug in die Ickstattstraße 2. Der Buchladen besteht bis Ende 2012.

2. September 1989 | Gründung der schwulen Wählervereinigung Rosa Liste

Die Gründungsveranstaltung der "Rosa Liste" als zunächst schwule Wählervereinigung findet statt, am 8. Oktober 1989 ist die erste Wahlversammlung. Spitzenkandidat wird der Student Thomas Niederbühl nominiert; Gerd Wolter erreicht Platz 2.

14. – 25. Juni 1989 | München leuchtet VioRosa – 2. lesbisch-schwule Kulturwoche

Zum zweiten Mal findet VioRosa, eine lesbisch-schwule Kulturwoche, unter dem Motto „München leuchtet VioRosa“ im Haidhauser Loft statt.

Nümfe | 1989

Die „Nümfe“, Kneipe und Kommunikationszentrum für Lesben und Frauen e.V., entsteht in der Nymphenburgerstraße 182. Schließung 1996 wegen lückenhaften Finanzierungskonzepts und Mietkündigung.

1989 | Viva TS

Der VivaTS München, seit 1991 e.V., gründet sich als Selbsthilfeverein mit dem Ziel, Menschen mit abweichender Geschlechtsidentität/Transfrauen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

14. Dezember 1988 | DDR: Streichung des §151

Die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik streicht den §151 ersatzlos. Das Gesetz tritt am 1.7.1989 in Kraft.

1. Dezember 1988 | Erster Welt-AIDS-Tag

Auch in München finden Veranstaltungen zum ersten Welt-AIDS-Tag, ausgerufen von der Weltgesundheitsorganisation WHO, statt.

8. Mai 1988 | Gedenkstein für homosexuelle Nazi-Opfer

Ein Gedenkstein für die homosexuellen Opfer wird in Dachau in der Evangelischen Versöhnungskirche aufgestellt, nachdem eine Aufstellung im offiziellen Gedenkraum verweigert wurde.

Maria und Martha Netzwerk | 1988

Erstes Treffen der Regionalgruppe München des Maria und Martha Netzwerkes (MuM), eines ökumenischen Zusammenschlusses von Lesben und deren Partnerinnen, die in kirchlichen Einrichtungen arbeiten oder gearbeitet haben.

Geierwallis | 1988

Die Frauenfilmgruppe „Die Geierwallis“ zeigt wöchentlich einen Frauenfilm: im Kulturladen Westend, in der Nümfe, im Kofra oder als mobiles Straßenkino.

1988 | Sub – Infoladen für schwule Männer

In der Müllerstraße 44 Rgb. wird „Sub – Infoladen für schwule Männer“ eröffnet und bietet täglich Beratung, Information, Bibliothek, Archiv und verschiedene Gruppen.

19. Mai 1987 | Aids-Maßnahmenkatalog

Der Maßnahmenkatalog von Staatssekretär Peter Gauweiler gegen Aids tritt in Kraft: „Ab sofort werden in Bayern Ansteckungsverdächtige zur Durchführung des HIV-Tests vorgeladen“ (Landesinnenminister August Lang, CSU). Als ansteckungsverdächtig gelten Prostituierte, Junkies und Schwule. „Kommen die Betroffenen der Vorladung nicht nach, veranlasst die Gesundheitsbehörde die Aufenthaltsermittlung und Vorführung durch die Polizei.“ HIV-positiven Ausländern wird keine Aufenthaltserlaubnis erteilt, die Einstellungsunterlagen im öffentlichen Dienst sollen auf Aids erweitert werden. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Horst Seehofer wird im „Spiegel“ mit dem Plan zitiert, Infizierte in „speziellen Heimen“ zu „konzentrieren“. Eigentliches Ziel ist die Zerschlagung der schwulen Infrastruktur. Münchens Schwule wehren sich am 4. April in einer Großdemonstration, doch der Katalog bleibt bis 2001 in Kraft.

Auszeichnung für Lillemor’s | 1987

Der Frauenbuchladen „Lillemor’s“ erhält den Förderpreis für Frauenforschung und Frauenkultur der Stadt München (seit 1994 Anita-Augspurg-Preis) für die kulturelle Arbeit der Buchladenfrauen. Der Preis kann wegen des Einspruchs der CSU-Stadtratsfraktion, widerlegt durch ein Gutachten, erst im November 1988 verliehen werden.

1987 | Südwind und rosa info

„Südwind – die schwule Zeitschrift in München“, Nachfolgerin des Kellerjournals, erscheint kostenlos bei Südwind e.V. bis 1997, „unabhängig, überparteilich, aber mit Sicherheit nicht unpolitisch“. Parallel dazu gibt der VSG wieder ein eigenes Magazin „rosa info“ heraus (bis 1995).

Amazonen | 1987

Gründung des Frauensportvereins „Amazonen“ von rund einem Dutzend Frauen aus der Frauenbewegung. Zu Beginn wird nur Volleyball angeboten, später kommen Fußball, Basketball und Badminton dazu.

AK Uferlos Lesbenpolitik | 1987

Der AK Uferlos Lesbenpolitik kämpft bis 1997 im Kofra für die Gleichbehandlung für lesbische Frauen (z.B. Gleichstellung im Vereinsrecht) und leistet Aufklärungsarbeit, z.B. 1991–1996 mit einer Veranstaltungsreihe an der Münchner Volkshochschule.

Lesbenpfingsttreffen | 16. – 19. Mai 1986

Lesbenpfingsttreffen im Anton-Fingerle-Bildungszentrum mit ca. 900 Besucherinnen, Motto: Lust auf München – Lesbenglühn“

Lesbentelefon e.V., Sapphovision, Coming-Out-Gruppe | 1986

Lesbentelefon e.V. mit Sapphovision (Filmgruppe) und Coming-Out-Gruppe Güllstr. 3 gegründet

1986 | SchwuKK

Gründung des „SchwuKK e.V.“ (Schwules Kultur- und Kommunikationszentrum) in der Auenstraße 31. Als gruppenübergreifende Institution soll der SchwuKK schwulen Männern Selbsthilfe und Freizeitaktivitäten anbieten und gleichzeitig auch politisch aktiv werden.

Neues Frauenzentrum | 31. August 1985

Von der Humboldtstraße in die Güllstraße 3: Neues Frauenzentrum im „Treibhaus – Haus für Frauenprojekte“, wo neben dem Frauentherapiezentrum als Hauptmieterin u.a. das Frauengesundheitszentrum, der Frauennotruf, die Frauenmitfahrzentrale und die Frauenbibliothek und der Verein Lesbentelefon siedeln. Es gibt u.a. ein Lesbencafé, die Filmgruppe „Sapphovision“ und eine Coming-out-Gruppe.

28. April – 5. Mai 1985 | München leuchtet VioRosa – lesbisch-schwule Kulturwoche

Die lesbisch-schwule Kulturwoche "Viorosa" findet im Stadtmuseum, bei Kofra, im Frauenbuchladen, in der Buchhandlung Sodom, der Kreuzkirche und anderen Orten statt. Gegen die kostenlose Nutzung des Stadtmuseums hatte die CSU-Fraktion protestiert.

Verein für Frauenkultur e.V. | 1985

Der Verein für Frauenkultur e.V. wird von Künstlerinnen und kulturschaffenden Frauen gegründet und ist Träger des Frauenkulturhauses in der Baldestraße 8. 1987 Umzug des Frauenkulturhauses in die Richard-Strauss-Straße 21. Schließung wegen gestrichener Fördergelder 1997.

18. März 1984 | Gerd Wolter im Stadtrat

Bis 1990 sitzt Gerd Wolter als Deutschlands erster offen schwuler Kommunalpolitiker für die Grünen im Münchner Stadtrat.

16. Januar 1984 | Münchner Aids-Hilfe

Gründung der Münchner Aids-Hilfe als bundesweit erste Aids-Hilfe durch VSG, MLC und die Münchner HuK (Homosexuelle und Kirche).

Umzug des Frauenzentrums | 1984

Das Frauenzentrum zieht aus der Gabelsbergerstraße 66 in die Humboldtstraße 3.

1983 | Frauenwiderstandscamp im Hunsrück

Nach dem Kongress „Gegen Krieg und Männergewalt“ im Schwabinger Bräu an der Münchner Freiheit am 9./10. April bereitet sich die Münchner Gruppe „Gegenwind“ mit einem Workshop auf das erste bundesweite Frauenwiderstandscamp im Hunsrück vor. Die Camps gegen Wiederbewaffnung und Aufrüstung finden bis 1993 statt.

Sirenen – Münchner Musikfrauen | 1983

Die „Sirenen“, überwiegend lesbische Frauen, treffen sich zu Austausch und Vernetzung im Kofra. Wichtigste Projekte: zwei Frauenmusik-Festivals über je ein ganzes Wochenende und die Gründung eines Vokalensembles. Parallel zur Auflösung der Sirenen gründet sich 1988 „musica femina münchen e.V.“, eine Gruppe, die sich die Aufführung klassischer Musik von Komponistinnen zum Ziel macht.

Kofra | 26. November 1982

Das autonome Frauenselbsthilfeprojekt Kofra, Kommunikationszentrum für Frauen zur Arbeits- und Lebenssituation, wird eröffnet, getragen von Anita Heiliger und Annette Stehr († 8.12.2015), und hat ab 1983 Räume in der Baldestr. 8. 1994 Umzug in die Baaderstr. 30.

FrauenLesbenreferat im AStA | 1982

Im Allgemeinen Studentenausschuss (AstA) an der Ludwig-Maximilians-Universität gründet sich das FrauenLesbenreferat.

Feenoptica Frauenkultur | 1981

Unter dem Namen „Feenoptica“ veranstaltet Frauen gehen zu Frauen e.V. vier Tage Frauenkultur (Workshops u. a. zu Theater, Kunst, Film, Musik) in der Fabrik in der Lothringer Straße 13 (heute eine Kunsthalle der Stadt München) in Haidhausen sowie ein Frauenfest in der Alabamahalle.

1. Januar 1981 | Das erste Transsexuellengesetz

Das TSG tritt in Kraft. Danach können Vorname und Feststellung des Geschlechts im Geburtenregister nachträglich geändert werden. Das Bundesverfassungsgericht hat das TSG seitdem in etlichen Vorschriften für verfassungswidrig erklärt. Ein reformiertes TSG, das u.a. die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts von Transpersonen durch die Abschaffung der Begutachtung und des gerichtlichen Verfahrens fordert, steht bis heute aus.

28. Juni 1980 | Stonewall-Demonstration

Die erste „Stonewall-Demonstration“ vom Sendlinger Tor über Viktualienmarkt und Odeonsplatz zur Universität mit rund 120 Männern und 30 Frauen gilt als Geburtsstunde des Münchner CSD (nach Bremen, Köln, Stuttgart, Hamburg und Berlin 1979).

1980 | HuK München

13 Männer und Frauen gründen die Regionalgruppe München des Vereins „Homosexuelle und Kirche (HuK).

1980 | Buchladen Sodom

„Sodom, Buchladen für schwule Männer und Frauen“ eröffnet in der Reichenbachstr. 51. Er schließt 1986.

Frauenbibliothek | 1980

Einrichtung einer Frauenbibliothek im Frauenzentrum Gabelsbergerstraße 66.

Inges Karotte | 1979(?)

Lesbenkneipe in der Baaderstraße 13, Wirtinnen Inge Greguletz und Michele. Ab 1992 in der Reichenbachstraße 33, ab 1995 dort „Bei Michele“ und „Inges Karotte“ wieder in der Baaderstraße 13. Schließung 2012.

Lesbentelefon | 1980

Erstes Lesbentelefon zur Beratung und Information von Lesben im Frauennotruf, Vorläufer von LeTRa.

1980 | Kellerjournal

Der VSG gibt die kostenlose Zeitschrift "Kellerjournal – Informationsblatt des VSG e.V." (benannt nach dem Redaktionssitz im Keller der Weißenburger Straße 26) heraus. Es besteht bis 1984.

„Come out“-Lesbentheater | 10. Februar 1979

10. Februar: Erster Auftritt des „Come out“-Lesbentheaters mit einem „Dia-Musik-Lese-Spektakel“ in der Frauenkneipe

Frauen gehen zu Frauen | 1979

Gründung des Dachverbands der feministischen Frauenprojekte „Frauen gehen zu Frauen e.V.“ Bis in die 1990er Jahre regelmäßige monatliche Plena.

Pompon Rouge | 1979

Pompon Rouge (Pompi), Hans-Sachs-Str. 10, Diskothek mit vorwiegend lesbischem Publikum

Wen Do Frauenselbstverteidigung | 1979

Gründung von Wen Do Frauenselbstverteidigung Deutschland e.V., einer Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsmethode aus Kanada: Kanadierinnen unterrichteten Frauen aus Deutschland, Frankreich und anderen Ländern. In München zählen Ute Geißler und Sabine Holm zu den ersten Ausgebildeten.

Frauenfilmreihe | 1979

Monika Neuser initiiert eine Frauenfilmreihe, gespielt wird erst im Türkendolch, dann im Maxim.

Bei Carla | 1979

Lesbenkneipe „Bei Carla“, Wirtin Carla Pock, in der Reichenbachstraße bis 1989, von 1989 bis 1990 (mit Tischtelefon) in der Implerstraße, ab 1993 in der Buttermelcherstraße 9. Geschlossen 2012.

Frauenkneipe Schmellerstraße | 1. Dezember 1978

Eröffnung der ersten Frauenkneipe Münchens in der Schmellerstraße 17 durch eine Kooperative von sieben Frauen. Aus dem Infoblatt 1978: „Was wir wollen, ist eine gemütliche Kneipe nur für Frauen. Wir hoffen, dass sich dort Schülerinnen, Studentinnen, berufstätige Frauen, Hausfrauen und Rentnerinnen treffen, miteinander reden, essen, trinken, und sich wohlfühlen … hierzu gehören auch Veranstaltungen, Feste, Beratungsstunden durch zwei Sozialarbeiterinnen, Ausstellungen von Frauenkunst, ein Lesetisch …“. Die Kneipe schließt 1986.

„Frauenbeziehungen, Frauenliebe“ | 15. April 1978

Informationsveranstaltung des Frauenzentrums im Schwabingerbräu an der Münchner Freiheit zum Thema „Frauenbeziehungen, Frauenliebe“ mit (laut Abendzeitung) ca. 1500 Teilnehmerinnen.

Lesbenverlag Come Out | 1978

Gründung des Münchner Lesbenverlags „Come Out“ in der Arcisstraße 57. Gründerinnen: Gabi Pössinger, Mara Kraus, Esther Wenger und Ingrid Holler. Erste Publikation: „Gespräche mit lesbischen Frauen“

Frauentherapiezentrum | 1978

Eröffnung des Frauentherapiezentrums in der Auenstraße 31; unter den Gründerinnen u.a. Polina Hilsenbeck

Troubadisc und Troubadoura | 1978

Gründung des Schallplattenvertriebs „Troubadisc“ und der Musikzeitschrift „Troubadoura“ beide Arcisstr. 62, sowie des Frauenhandwerkskollektivs, das handwerkliche Dienstleistungen von Frauen für Frauen anbietet.

Münchner Zeitschriften für Frauen und Lesben | 1977

Zunächst als „frauen-info“ des Frauenzentrums Gabelsbergerstraße erscheint monatlich eine feministische Zeitschrift, ab November 1978 „Münchner Frauenzeitung“, ab Mai 1979 im Atelier Monika Neuser (Arcisstraße 62), ab September 1980 in der Werneckstr. 17 mit neuem Team. Einstellung 1980, da wirtschaftlich nicht mehr haltbar.

Walpurgisnachtdemos | 1977

Unter dem Motto „Wir erobern uns die Nacht zurück“, ziehen ca. 1000 Frauen am 30.4. vom Stachus zur Münchner Freiheit und protestieren vor den Sexshops in der Bahnhofsgegend gegen Sexismus, Übergriffe und Vergewaltigung. Die Demos finden mit Unterbrechungen bis in die Nullerjahre statt und verlagern sich in einzelne Frauenprojekte, z.B. im Kofra.

Juni 1976 | Erste schwule Demo

Auf dem Pfingsttreffen der schwulen Aktionsgruppen vom 4. bis 7. Juni 1976 in München gibt es eine Spontandemonstration von etwa 200 Schwulen im Schlosspark Nymphenburg und Infostände. (Die erste Schwulendemo in der Geschichte der Bundesrepublik fand bereits 1972 in Münster statt.)

Lillemor’s Frauenbuchladen | November 1975

In der Arcisstraße 57 eröffnet der erste Frauenbuchladen in der BRD. Gründerinnenkollektiv: Sabine Holm, Monika Neuser, Susanne Aeckerle, Ute Geißler und Mara Kraus. 2000 Umzug in die Barerstr. 70; die Geschäftsleitung haben heute Andrea Gollbach und Ursula Neubauer.

1975 | Kranzniederlegung in Dachau

Der VSG legt erstmals einen Kranz in der KZ-Gedenkstätte Dachau nieder, um an die verfolgten Homosexuellen während der Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern.

1975 | TV-Film „Anna und Edith“

„Anna und Edith“ behandelt als erster deutsche Fernsehfilm das Thema Frauenliebe, Regie: Gerrit Neuhaus, Buch: Cristina Perincioli und Cillie Rentmeister. Erst 2009 kommt er in die Kinos.

1975 | MLC

Der „Münchner Löwen Club“ (MLC) wird als erster schwuler Lederclub Münchens gegründet.

22. Juni 1974 | VSG und Schwule Teestube

Die „Schwule Teestube“ Am Glockenbach 10 eröffnet als erstes Schwulenzentrum Münchens, gegründet durch den VSG und die H.A.G. (Homosexuelle Aktions-Gemeinschaft). Nach der Schließung der Teestube 1980 eröffnet der VSG seine Vereinsräume in der Weißenburger Straße 26. Er besteht bis 1998.

Frauenoffensive Verlag | 1974

Das „Frauenoffensive“-Kollektiv von 15 Frauen und Lesben aus der autonomen Frauen- und Lesbenbewegung veröffentlicht feministische Texte im Trikont Verlag. Mit dem Erfolg des autobiografischen Romans „Häutungen“ von Verena Stefan wird die Frauenoffensive 1975 unabhängig. Es erscheinen insgesamt über 350 Titel deutscher und internationaler Autorinnen. Der Verlag existiert unter der Geschäftsleitung von Gerlinde Kowitzke bis 2016.

Erstes Frauenzentrum in München | Juni 1974

Das Frauenzentrum in der Adlzreiterstraße 27 wird eröffnet und zum Treffpunkt für die zahlreichen FrauenLesbengruppen, die in der Stadt entstanden sind und sich hier über Themen der Frauen- und Lesbenbewegung austauschen und Aktionen planen. Die „Homosexuelle Frauengruppe“ trifft sich bei Helga Friedrich in der Adelheidstr. 34: Treffen auch außerhalb des Frauenzentrums waren wichtig und üblich. 1975 zieht das Frauenzentrum in die Gabelsbergerstraße 66 um, es gibt eine Lesbengruppe.

18. März 1974 | Gründung des VSG

Der "Verein für sexuele Gleichberechtigung" gründet sich. Seine Ziele sind u.a. die Abschaffung des §175 StGB, die Aufstellung eines Gedenksteins im KZ Dachau sowie die Unterstützung von Pädophilen. Das Forum distanziert sich ausdrücklich von den pädophilen Zielen des VSG.

1974 | TV-Doku „Und wir nehmen uns unser Recht“

Die kritische Dokumentation „Und wir nehmen uns unser Recht“ (WDR), Regie Claus Ferdinand Siegfried, gelenkt von den Westberliner HAW-Frauen, legt den Grundstein für die Auseinandersetzung mit lesbischen Lebensweisen in ARD und ZDF und führt bundesweit zu zahlreichen Gruppengründungen.

Protest gegen Gerichtsprozess | 1974

Der von lesbenfeindlichen Presseberichten begleitete Prozess in Itzehoe gegen das Liebespaar Marion Ihns und Judy Andersen, die den Ehemann von Ihns hatten ermorden lassen, wird zum Schauprozess gegen lesbische Frauen und ihre angebliche Kriminalität und löst bundesweit Solidaritätsaktionen von Lesben aus. In München findet am Sendlinger-Tor-Platz eine Kundgebung von Lesben statt.

23. November 1973 | Reform des Sexualstrafrechts

Die sozialliberale Koalition unter Willy Brandt führt eine umfassende Reform des Sexualstrafrechts durch. „Verbrechen und Vergehen wider die Sittlichkeit“ werden in „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ umbenannt, „Unzucht“ wird durch „sexuelle Handlungen“ ersetzt. Im §175 bleibt nur noch Sex mit Minderjährigen bestehen, wobei das sogenannte Schutzalter von 21 auf 18 Jahre gesenkt wird.

19. Juli 1973 | Erstes gemeinsames Auftreten in der Öffentlichkeit von Lesben und Schwulen

Vier Tage lang zeigen sich Lesben und Schwulen in der Fußgängerzone (Kaufinger-/Ecke Liebfrauenstraße) mit einem Infostand; das erste lesbisch-schwule Flugblatt der HAM (Homosexuelle Alternative München) wird verteilt, unterzeichnet von Frauen der Lesbengruppe „Die ,Rote Schwestern Schule‘ (Lesben, Schwule, Heteros) trifft sich donnerstags bei Gisela.“ Zitat aus dem Flugblatt: „Zum ersten Mal zeigen sich in München Homosexuelle auf der Straße. Zum ersten Mal geben sich Männer und Frauen als schwul zu erkennen. Zum ersten Mal können Sie sehen, was Sie sich sonst nur vorstellen.“

2. Treffen der deutschen Frauenemanzipationsgruppen | 10. – 11. Februar 1973

Im Kunstverein München treffen sich Gruppen aus dem ganzen Bundesgebiet. Spontan organisieren sich "Schwulgruppen", die sich bundesweit bilden. Das Frauenzentrum Berlin berichtet: "[...] findet in München ein Treffen aller Frauengruppen der BRD und Westberlin statt. Diskussionspunkte sollen sein: a) Berichte über die Arbeit der verschiedenen Frauengruppen, b) Fragen einer nationalen Zeitung, die vor allem über die Arbeit der verschiedenen Gruppen berichten soll, c) Aufteilen der internationalen Kontakte und Übersetzungsarbeiten auf die einzelnen Gruppen […] Die Frauengruppen in München existieren seit 1970 und sind als einzelne Gruppen wesentlich aus der Aktion 218 hervorgegangen."

15. Januar 1973 | Zensur beim BR

Der Bayerische Rundfunk schaltet sich bei der Sendung des Praunheim-Films „Nicht der Homosexuelle ist pervers …“ aus dem ARD-Programm aus. Im Herbst 1971 hatte die Ständige Programmkonferenz durch Mehrheitsbeschluss die Ausstrahlung des Films im Ersten Programm noch abgelehnt, woraufhin am 31. Januar 1972 der WDR den Film zum ersten Mal sendete.

Frauen- und Lesbenprojekte | 1973

Das Flugblatt „Von den Frauen/An die Frauen“ kursiert als erstes Flugblatt von lesbischen Frauen, den „Frauen in der HAM“, in München. Im Kunstverein München treffen sich einige hundert Frauen aus dem ganzen Bundesgebiet mit Arbeitsgruppen. Spontan organisieren sich bundesweit „Schwulgruppen“ lesbischer Frauen. Zwischen 1973 und 1995 entstehen über 30 Projekte aus der autonomen Frauen- und Lesbenbewegung, gegründet zu einem großen Teil von Lesben (einige existieren bis heute).

1973 | Demonstration der HAW-Frauen

Ca. 50 Frauen aus der Gruppe Homosexuelle Aktion Westberlin (HAW) demonstrieren gegen die Serie „Die Verbrechen der lesbischen Frauen“ der Bild-Zeitung.

Boccaccio | 1972

Eröffnung des „Boccaccio“, Bar für Lesben in der Klenzestr. 47

1971 | Homosexuelle Aktions-Gruppe München

Gründung des ersten Schwulenvereins nach 1945, der „Homosexuellen Aktions-Gruppe München“ (HAG, später HAM). Die HAM trifft sich in der Deutschen Eiche und macht ab ca. 1972 Infostände in der Fußgängerzone und an anderen Plätzen Münchens.

1971 | Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers …“

Der Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von Rosa von Praunheim wird im „Gloria Palast“ am Stachus vor ca. 800 Zuschauern gezeigt. Der Film ist bundesweit und auch in München Anlass für Schwule und Lesben, Emanzipationsgruppen zu gründen.

"Abtreibungsparagraf" §218 | 1971

Im Zuge des Beginns der zweiten Frauenbewegung in Deutschland findet in München eine erste Demo gegen §218, der Schwangerschaftsabbruch unter Strafe stellt, mit Frauen, Lesben und Männern statt. Der Slogan „Mein Bauch gehört mir“ entsteht.

1970 | Casanova

Eröffnung des „Casanova“, Bar für Lesben und Schwule in der Klenzestraße.

Pompon Rouge | 1969(?)

Eröffnung des „Pompon Rouge“ („Pompi“) in der Hans-Sachs-Str. 10 durch Erika Friedrich: Frauendiskothek mit vorwiegend lesbischem Publikum

1. September 1969 | Entschärfung des §175

Die sozialliberale Bundesregierung unter Willi Brandt entschärft den §175: Das Totalverbot wird aufgehoben, nur Sex mit Unter-21-Jährigen, homosexuelle Prostitution und Ausnutzung eines Dienst-, Arbeits- oder Unterordnungsverhältnisses sind noch strafbar. Erste Gruppen werden gegründet, Zeitschriften können offen erscheinen.

28. Juni 1969 | Stonewall Riots

Bei den „Stonewall Riots“ in New York wehren sich Schwule, Lesben und Trans gegen Razzias und Polizeigewalt. Die Proteste bilden den Auftakt für jährliche Protestkundgebungen in den USA und eine erstarkende Lesben- und Schwulenbewegung. Die „Gay Liberation Front“ (GLF) gründet sich.

1967 | Ochsengarten

Der Ochsengarten eröffnet unter Wirtin Augusta Wirsing („Gusti“) als Schwulenlokal in der Müllerstraße 47 und ist heute Deutschlands ältestes Lederlokal.

1966 | Forderung nach Überwachung

Die CSU fordert die Schließung aller homosexuellen Kneipen und die Überwachung der Treffpunkte; Ablehnung durch Polizeipräsident Schreiber.

1965(?) | Mylord

Eröffnung des „Mylord“, einer Bar für Lesben (und schwule Freunde), in der Ickstattstr. 2a durch Marietta Gruneberg. Später lesbisch-schwul, Schließung 2009.

1965 | Erste Demonstration in den USA

70 Menschen demonstrieren vor dem Pentagon, dem Weißen Haus u. a. gegen die Diskriminierung Homosexueller in der US-amerikanischen Armee. Das Ereignis gilt als die erste schwul-lesbische Demonstration im öffentlichen Raum und erfährt ungeahnte Aufmerksamkeit.

Christa Reinig | 1964

Die Schriftstellerin Christa Reinig (1926–2008) verlässt Ostberlin und lässt sich in München nieder. Nachdem sie sich in den 1970ern öffentlich zu ihrer lesbischen Orientierung bekennt und in ihrem Werk zunehmend feministische Inhalte thematisiert, wird sie vom Literaturbetrieb marginalisiert.

1961 | Cosy Pièro

Die Künstlerin und Unternehmerin Cosy Pièro gründet bis 1971 Lokale in München, die immer wieder umziehen (die Gäste ein „Gemisch von allen möglichen Existenzen“, Zitat Cosy):
• „Cosy-Club“ (vormals „Kaiserblume“) in der Baaderstraße
• „Bei Cosy“ in der Klenzestraße
• „Bei Cosy“ am Elisabethplatz
• „Bei Cosy“ in der Ledererstraße
• “Cosy-Dream“ am Oskar-von-Miller-Ring
• „Cosy Copain“ in der Clemensstraße

1958 | Verhaftungen unter Adenauer

Während der Kanzlerschaft von Konrad Adenauer (1876–1967) steigt die Zahl der Verhaftungen von Homosexuellen auf einen Stand wie im Jahr 1938.

1957 | DDR: faktische Straffreiheit

Von einer Strafverfolgung kann abgesehen werden, wenn eine gesetzwidrige Handlung mangels schädigender Folgen keine Gefahr für die sozialistische Gesellschaft darstellt, Dies bedeutet eine faktische Außerkraftsetzung des §175, da „bei allen unter §175 […] fallenden Straftaten weitherzig von der Einstellung wegen Geringfügigkeit Gebrauch gemacht werden soll“ (Kammergericht Berlin). Homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen bleiben ab Ende der 50er Jahre straffrei.

1957 | Verfassungsbeschwerde gegen §175

1952 und 1954 reichen zwei Männer eine Verfassungsbeschwerde ein: §§ 175 und 175a verstießen gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung der Geschlechter und das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Das Bundesverfassungsgericht weist die Beschwerde am 10. Mai 1957 zurück: Die unterschiedliche Behandlung männlicher und weiblicher Homosexualität wurde auf biologische Gegebenheiten und das „hemmungslose Sexualbedürfnis“ des homosexuellen Mannes zurückgeführt, als zu schützendes Rechtsgut wurden „die sittlichen Anschauungen des Volkes“ genannt.

1957 | Teddy-Bar

Eröffnung der „Teddy-Bar“ in der Hans-Sachs-Straße(?). Umzug 1992 in die Pestalozzistraße, Schließung 2012.

1953 | Die Freunde

Gründung des Vereins „Die Freunde“ unter der Leitung von „Hans“, des „Sokrates von Haidhausen“. Der Verein besteht bis 1954.

1952 | Leistungsbericht des Polizeipräsidiums

Das Polizeipräsidium München, Kriminalabteilung 5, meldet: „160 (Vorjahr 88) Fälle von widernatürlicher Unzucht wurden gemeldet. 93 Personen wurden auf frischer Tat ertappt und vorgeführt. Darunter befanden sich 12 Ausländer.“

1951 | Wir Freundinnen

In Hamburg erscheint „Wir Freundinnen – Monatsschrift für Frauenfreundschaft“, die in der gesamten BRD zirkuliert. Sie wird 1952 eingestellt.

1951 | Broschüre „Das dritte Geschlecht“

Richard Gatzweiler, Amtsrichter in Bonn, veröffentlicht ein Pamphlet zum Thema Homosexualität, in dem er eine Verschärfung der Vorgehensweise und eine Strafbarkeit weiblicher Homosexualität fordert. Mit seinen Aussagen nähert er sich dem Sprach- und Argumentationsgebrauch der Nazis. Viele kirchliche Gemeindeblätter verbreiten seine Ideen. Beim Deutschen Juristentag 1951 spricht sich eine knappe Mehrheit für Straflosigkeit nach § 175 und für eine Neufassung des § 175a aus.

1950 | Deutsche Eiche und Reichenbacher Hof

Mehr und mehr Szenelokale eröffnen. Neben der schon länger bestehenden Deutschen Eiche in der Reichenbachstraße, in der auch Lesben verkehren, gibt es mit dem Reichenbacher Hof (Ehepaar Scholz) nun ein Gasthaus und Tanzlokal für Lesben und Schwule.

1949 | Der §175 gilt weiter

Der §175 wird in unveränderter Fassung in das Strafgesetzbuch der Bundesrepublik aufgenommen. Die DDR entscheidet sich für eine entschärfte Version. Die DDR entscheidet sich für eine entschärfte Version in der alten, bis 1935 gültigen Fassung. Homosexuelle werden auch dort weiterhin verfolgt, wenn auch in deutlich geringerem Maße als in der Bundesrepublik.

Adelheid Lissmann | 1946

Adelheid Lissmann, geb. 1913, wird Stadträtin für die Kommunistische Partei, dem sie bis zum Verbot der Partei 1952 angehört. Sie lebt in Lebensgemeinschaft mit einer Frau.

1945 | Befreiung des KZ Dachau

Am 8. Mai 1945 endet der Zweite Weltkrieg und die Herrschaft der Nationalsozialisten. Die Befreiung des KZ Dachau und seiner Außenlager erleben auch über 100 homosexuelle Häftlinge, darunter zahlreiche aus München. Homosexuelle Strafhäftlinge bleiben weiterhin in Haft.

1937 | Staatliche Homosexuellenverfolgung

Gauleiter Adolf Wagner weist die bayerischen Polizeipräsidenten an: „Es muss alles versucht werden, um dieses widernatürliche Laster mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auszurotten.“ Rudolf Peters stirbt mit 50 Jahren als erster aus München stammender Homosexueller im KZ Dachau. Insgesamt werden im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1945 knapp 50.000 Männer wegen Homosexualität verurteilt. Etwa 5000 bis 6000 kommen in ein Konzentrationslager, wo sie einen rosa Winkel tragen müssen.

1935 | Verschärfung des §175

Am 1. September 1935 wird der §175 wird erheblich verschärft. Er lautet nun: "(1) Ein Mann, der mit einem anderen Mann Unzucht treibt oder sich von ihm zur Unzucht mißbrauchen läßt, wird mit Gefängnis bestraft. (2) Bei einem Beteiligten, der zu Zeit der Tat noch nicht einundzwanzig Jahre alt war, kann das Gericht in besonders leichten Fällen von Strafe absehen."

1934 | Großrazzia

Am 20. Oktober 1934 findet eine antihomosexuelle Großrazzia in Bayern „von abends 10 Uhr bis morgens 4 Uhr“ statt mit 145 Festnahmen in München, zahlreiche Einweisungen von Schwulen in das 1933 eröffnete KZ Dachau, wo bis 1945 insgesamt mehr als 100 homosexuelle Münchner (insgesamt ca. 600 Homosexuelle) inhaftiert sind.

Anita Augspurg im Exil | 1933

Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann stehen seit 1923 auf der Liquidationsliste der Nazis. Sie kehren von einer Reise in die Schweiz nicht mehr nach Deutschland zurück und leben bis zu ihrem Tod im Schweizer Exil. Ihr Vermögen wird von den Nazis beschlagnahmt, ihre Bibliothek und alle Aufzeichnungen aus ihrer jahrzehntelangen Arbeit in der nationalen und internationalen Frauenbewegung gehen verloren. Heymann stirbt in Zürich im August 1934, Augspurg im Dezember 1934 nach über vier Jahrzehnten des Zusammenlebens.

Die Pfeffermühle | 1933

Eröffnung des Kabaretts „Die Pfeffermühle“ am 1. Januar 1933 in der Neuturmstr. 5 am Hofbräuhaus von Erika Mann mit der Schauspielerin Therese Giehse (1898–1975) u.a. Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung flieht die Truppe vor den Nationalsozialisten in die Schweiz.

1933 | Nationalsozialismus

Vom 30. Januar bis zum 8. Mai 1945 herrschen die Nationalsozialisten. Schon 1928 erklärt die NSdAP: „Wer an Mann-männliche oder Weib-weibliche Liebe denkt, ist unser Feind“. Zerstörung von Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft am 6. Mai 1933, Zerschlagung der ersten Frauenbewegung, Auflösung von Vereinen und Lokalen und damit der Infrastruktur der homosexuellen Emanzipationsbewegung. Schwule und Lesben werden verfolgt, viele inhaftiert, gefoltert und ermordet.

Erika Mann | 1932

Erika Mann (1905–1969) verliest einen Artikel aus der von einer pazifistischen Organisation herausgegebenen Zeitung „Deutsche Zukunft“ zum Thema Abrüstung auf der „Großen öffentlichen Frauenversammlung“ im Hotel Union in der Barerstraße. Die Rede wird von Nazitrupps gestört, Erika Mann wird „im „Völkischen Beobachter“ als Verräterin und „blasierter Lebejüngling“ bezeichnet.

1931 | Ernst Röhm

Die Homosexualität des SA-Führers Ernst Röhm steht im Mittelpunkt einer Pressekampagne, etwa der SPD-Zeitung „Münchner Post“, um den Nationalsozialismus zu diskreditieren. 1934 wird Röhm auf Veranlassung Hitlers in Stadelheim ermordet, fortan gelten Homosexuelle als Staatsfeinde.

1929 | Razzia

30 Polizisten stürmen während eines Faschingsfestes den „Schwarzfischer“, erkennungsdienstliche Behandlung von 63 Personen.

1928 | Schwarzfischer

Eröffnung des Schwulenlokals „Schwarzfischer“ in der Dultstr. 2 als „hübsches Kaffee-, Bier- und Weinrestaurant unter der Leitung einer Dame“ mit „dezenter, gemütlicher Stimmung“ und „Ia Wiener Küche“.

1925 | Beschlagnahmen

Beschlagnahme der Blätter für Menschenrecht“ und des „Freundschaftsblatts“ durch die Münchner Polizei in den Läden, in denen die Blätter im Schaufenster ausgehängt werden, wegen „Gefährdung der Sittlichkeit“, „Volksaufreizung“ und „Verkehrsstörung“.

Die Freundin | 8. August 1924 – 1933

Die erste lesbische Zeitschrift "Die Freundin" erstmals erschienen. Herausgeber war Friedrich Radzuweit, Vorsitzender des Bundes für Menschenrecht. Inhaltliche Schwerpunkte waren Informationen zum lesbischen Leben, Kurzgeschichten und Romane und Anzeigen.

Christa Winsloe | 1924

Die Bildhauerin und Schriftstellerin Christa Winsloe (1888–1944) lebt in der Kunigundenstr. 28, hat ein Atelier, führt einen Salon. Sie lebt u. a. mit der bekannten Journalistin Dorothy Thompson zusammen und ist befreundet mit Therese Giehse und Klaus und Erika Mann.

ab 1924 | Zeitschriften für lesbische Frauen

In der Weimarer Republik zirkulieren sechs verschiedene Berliner Zeitschriften für Frauen/Lesben, fast alle von Homosexuellenverbänden mit überwiegend männlichen Mitgliedern verlegt, z. B. „Die Freundin“ und „Frauenliebe“. Themen u.a.: Informationen zum lesbischen Leben, Kurzgeschichten, Fortsetzungsromane und Kleinanzeigen. Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 müssen sie ihr Erscheinen einstellen.

Sozialdemokratinnen | 1923

Die Frauenrechtlerinnen und Sozialdemokratinnen Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann fordern von den bayerischen Behörden die Ausweisung Hitlers.

1922 | Polizeiverfolgung

Besonders intensive Verfolgungstätigkeit der Polizei gegen Homosexuelle: „… dass wiederholt Kriminalbeamte nachts in die Hotels und Pensionen eingedrungen sind und dort Herren festgenommen haben, die gemeinsam daselbst übernachteten“.

Damengruppe beim Münchner Freundschaftsbund | 1922

Beim „Münchner Freundschaftsbund“, einem Verein männlicher Homosexueller, etabliert sich eine „vollständig selbständige Damengruppe“.

1921 | Münchner Freundschaftsbund

Richard Linsert gründet in München eine Ortsgruppe des „Deutschen Freundschaftsverbands“ (später „Bund für Menschenrechte“) für Schwule und Lesben, der sich kulturell engagiert und Freizeitveranstaltungen anbietet.

1920 | Clubgründungen

Schwule „Geselligkeits- und Freundschaftsklubs“ („Harmonie“ und „Herrenbühne“ treffen sich in Münchner Wirtschaften) werden gegründet. Gleichzeitig steigen die Verhaftungen wegen §175 rapide an. Nach einem Vortrag in der Tonhalle wird Magnus Hirschfeld bei einem Überfall von Nationalsozialisten schwer verletzt.

15. Mai 1919 | Institut für Sexualwissenschaft

Magnus Hirschfeld gründet das weltweit einzigartige private Institut für Sexualwissenschaft zu „Förderung wissenschaftlicher Forschung des gesamten Sexuallebens und Aufklärung auf diesem Gebiete“. Seine einzige weibliche Mitarbeiterin, Helene Stöcker, führt Beratungen durch, hält Vorträge, kämpft für besseren Mutterschutz, das Recht auf Abtreibung und gegen die Bestrafung lesbischer Liebe, wie sie in konservativen Kreisen gefordert wird.

18. November 1918 | Wahlrecht für Frauen

Das geheime direkte allgemeine Wahlrecht wird endlich für Frauen Realität.

9. November 1918 | Weimarer Republik

In Deutschland existiert zum ersten Mal eine parlamentarische Demokratie. Der neue, liberale Zeitgeist kommt auch der Frauenemanzipation zugute: Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges (1914–1918) erhalten Frauen das Wahlrecht.

ab 1918 | Lesbische Romane


Zwischen 1918 und 1933 erscheinen eine große Anzahl von Frauen verfasste Romane mit lesbischem Inhalt, u. a.: Annemarie Nathusius, „Eros“, Anna Elisabet Weirauch, „Der Skorpion“ (drei Bände), Helene von Mühlau, „Das Liebeserlebnis der Ellinor Fandor“, Frau Bilson und ihre Freundin“, Maximiliane Ackers, „Freundinnen“, Grete von Urbanitzky, „Der wilde Garten“, Christa Winsloe, „Ritter Nérestan“ (Theaterstück), „Mädchen in Uniform“ (Filmdrehbuch), „Das Mädchen Manuela“ (Roman)

1907 | Eulenburg-Harden-Äffäre

Gerichtsverfahren bis 1909 gegen prominente Mitglieder des Kabinetts von Kaiser Wilhelm II. wegen homosexuellen Verhaltens und Verleumdungsklagen gegen diese Vorwürfe weiten sich zu einem der größten Skandale des deutschen Kaiserreichs aus und führen zu einem Verlust der öffentlichen Sympathien gegenüber Homosexuellen.

9. Oktober 1904 | Erste lesbenpolitische Rede

Die Journalistin Anna Rüling hält auf dem Kongress des WhK in Berlin die erste offen lesbenpolitische Rede. Sie kritisiert Ignoranz und Tabuisierung von Homosexualität seitens der Frauenbewegung und fordert u.a. eine geschlechtsneutrale Erziehung von Jungen und Mädchen.

Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann | 1904

In der Kaulbachstraße 12 leben die Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann zusammen.

1902 | Das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee München

Das „Wissenschaftlich-humanitäre Komitee München“ (WhK) wird als erster Verein für die Interessen der Münchner Homosexuellen gegründet. Vorsitzender wird der Apotheker Joseph Schedel. Das WhK organisiert Vorträge und Petitionen und will über das „Wesen der mann-männlichen Liebe“ aufklären. Es besteht bis 1908.

1902 | Verein für Frauenstimmrecht

Der Verein für Frauenstimmrecht wird in Hamburg gegründet, weil politische Vereine für Frauen in Bayern verboten sind.

1902 | Der Seelenforscher

August Fleischmann gibt (bis 1904) die Zeitschrift „Der Seelenforscher“ heraus, in der er Straffreiheit für einvernehmliche Sexualität zwischen Männern fordert. In späteren Publikationen setzt er sich mit den Themen sexuelle Identität, Erpressertum und Verortung des homosexuellen Mannes in der kaiserzeitlichen Gesellschaft auseinander.

1901 | Aimée Duc

In Berlin erscheint Aimée Ducs (Pseudonym von Minna Wettstein-Adelt, 1869– nach 1908) Roman „Sind es Frauen? Roman über das dritte Geschlecht“ über Studentinnen der Universitat Genf, die ihrem Selbstverständnis nach weder Mann noch Frau sind, nicht heiraten wollen und einander in Liebe zugetan sind.

Sophia Goudstikker und Ika Freudenberg | 1899

In der Königinstraße 3a leben die Fotografin Sophie Goudstikker und die Frauenrechtlerin Ika Freudenberg zusammen.

1897 | Das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee

In Berlin wird als erster Homosexuellenverband das „Wissenschaftlich-humanitäre Komitee“ u. a. von dem Sexualreformer Magnus Hirschfeld gegründet, um sexuelle Handlungen zwischen Männern zu entkriminalisieren.

Maria Janitschek | um 1895

Die Schriftstellerin Maria Janitschek (1859–1927) lebt nach dem Tod ihres Mannes in München. In ihren Veröffentlichungen (Erzählungen, Romane, Lyrik im Spohr Verlag) behandelt sie aktuelle Themen, entwickelt literarische Frauenfiguren, die um ihre Emanzipation ringen, und bezieht auch weibliche Sexualität einschließlich lesbischen Begehrens ein („Mimikry. Ein Stück modernes Leben“, „Vom Weibe. Charakterzeichnungen“).

Verein für Fraueninteressen München | 1894

Die "Gellschaft zur Förderung der geistigen Interessen der Frau“ (von 1899 bis heute „Verein für Fraueninteressen München") wird von Anita Augspurg mit dem Ziel der „systematisch auf allen Gebieten durchgeführten und vollgültigen Teilnahme der Frauen an unserem gesamten öffentlichen Leben“ gegründet.

 

1891 | Gesellschaft für modernes Leben

Die progressive „Gesellschaft für modernes Leben“, ein Münchner Theater- und Literaturverein, lädt zu kulturellen Abenden ins Lokal „Isarlust“ auf der Praterinsel (heute Alpines Museum). Anita Augspurg und Sophia Goudstikker gehören zum Publikum: „ein paar Frauengestalten in männlich geschnittener Kleidung mit schönen, ausdrucksvollen Jünglingsköpfen“ und anderes „verwegen blickendes Weibervolk in seltsamen Haartrachten“.

Fotostudio "Atelier Elvira" | 1887

Die Juristin und Frauenrechtlerin Anita Augspurg und Sophia Goudstikker, Fotografin und Unternehmerin, eröffnen in der Von-der-Tann-Straße 15 das Fotostudio „Atelier Elvira“, das zur führenden „hofphotographischen Anstalt“ und zum Treffpunkt der Münchner Bohème wird. Sie leben bis 1899 in einer Beziehung.

1871 | Niederlegung des §175

Das Strafgesetzbuch des neugegründeten Deutschen Reiches, zu dem nun auch Bayern gehört, tritt in Kraft. §175 lautet: „Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängnis zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bügerlichen Ehrenrechte erkannt werden.“ Es werden „nur“ noch männliche Homosexuelle bestraft.

Adele Spitzeder | 1869

Adele Spitzeder (1832–1895) gründet in München eine „Bank“ und leiht zu hohen Zinsen Geld. 1872 wird sie verhaftet und verurteilt zu drei Jahren Gefängnis, wo sie ihre Memoiren schreibt. Sie lebt verschiedene Frauenbeziehungen.

29. August 1867 | Die Rede Karl Heinrich Ulrichs’

Karl Heinrich Ulrichs protestiert auf dem Deutschen Juristentag in München gegen die in den anderen deutschen Staaten geltenden Paragrafen gegen „widernatürliche Unzucht“ und fordert die rechtliche Gleichstellung der Homosexuellen, wird jedoch niedergeschrien.

1851 | Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte

In Preußen wird der strafrechtliche Teil des Allgemeinen Landrechts durch das Strafgesetzbuch für die Preußischen Staaten ersetzt (§143): „Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren verübt wird, ist mit Gefängniß von sechs Monaten bis zu vier Jahren, sowie mit zeitiger Untersagung der Ausübung der bürgerlichen Ehrenrechte zu bestrafen.“

1813 | „Widernatürliche Lust“

Im Strafgesetzbuch für das Königreich Bayern, ausgearbeitet von dem Rechtsgelehrten Paul Johann Anselm Feuerbach, ist eine Verfolgung der bis dahin strafbaren „widernatürlichen Lust“ nicht mehr vorgesehen: Feuerbach schafft damit nicht nur die Folter ab, sondern auch alle Strafen, die in die freie Lebensentfaltung eingreifen.

1751 | Inkrafttreten des „Codex iuris bavarici criminalis“

In diesem von dem bayerischen Rechtswissenschaftler Wiguläus von Kreittmayr verfassten Gesetzeswerk heißt es im „Sechsten Capitul, §11“: „Fleischliche Vermischung mit dem Vieh, toten Körpern oder Leuten einerlei Geschlechts, als Mann mit Mann, Weib mit Weib, werden nach vorgängiger Enthauptung durch das Feuer gestraft.“

1721 | Catharina Margaretha Linck

Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Rosenstengel war die letzte Frau, die in Europa wegen der sogenannten Unzucht zwischen Frauen hingerichtet wurde. In Männerkleidern versuchte sie sich glücklos als Prophet, diente als Musketier und heiratete schließlich eine andere Frau. Von ihrer Schwiegermutter verraten, wurde der Betrügerin der Prozess gemacht. Ausnehmend würdigten die Richter das Corpus delicti, ein „von Leder gemachtes ausgestopfftes Männliches Glied“. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. verurteilte sie 1721 zum Tode.

1532 | Constitutio Criminalis Carolina

Die CCC, die als als erstes allgemeines deutsches Strafgesetzbuch gilt, bestimmt: „[…] so ein Mensch mit einem Vieh, Mann mit Mann, Weib mit Weib, unkeusch treiben, die haben auch das leben verwirkt, und man soll sie […] mit dem Feuer vom Leben zum Tod richten.“

 

© 2020, forum homosexualität münchen e.V., Impressum
Letzte Änderung: 30.01.2020 (JIO)