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Adele Spitzeder

„Kalbsköpfe, ich sage euch rund heraus, dass ich keine Sicherheit für euer altes Geld gebe!“

 Adele Spitzeder, geboren 1832 in Berlin, gestorben 1895 in München, stammte aus einer Künstlerfamilie. Sie bekam eine gute Erziehung in Wien und wurde Schauspielerin. Wenig erfolgreich kam sie nach München zurück und musste sich Geld leihen: Sie hatte einen aufwendigen Lebensstil, wechselnde Freundinnen.

Über die Namen ihrer unterschiedlichen Freundinnen sowie über die Nähe der jeweiligen Beziehung schweigt sich Adele Spitzeder in ihrer biografischen Schrift „Geschichte meines Lebens“ (1878) aus, nur ihre letzte Lebensgefährtin wird namentlich genannt – als Verräterin, die ihr im Prozess den Beistand verweigert.

1869, mehr zufällig und durch ein ihr eigenes Geschick im Umgang mit Menschen, vertrauten ihr die kleinen Leute ihr Geld an und Spitzeder gab ihnen zwar hohe Zinsen, aber sonst keinerlei Sicherheiten. Sie war wohl die erste weibliche Risiko-Bankerin der Bankengeschichte. Einen Großteil des Geldes verbrauchte sie für ihre eigene Lebensführung. Sie konnte ihre Beliebtheit bei den Leuten festigen und gute Beziehungen zur Stadt und Kirche aufbauen, selbst die Presse machte sie sich gewogen. Letztlich wurde sie jedoch zu einer zu großen Konkurrenz für die städtischen Banken, denen es gelang, ihre Geschäfte zu sabotieren und ihre „Dachauer Bank“ per polizeibehördlichen Beschluss zu schließen. 1872 kommt es zum Prozess, Adele Spitzeder wird zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie stirbt 1895 in München. Auf dem Südfriedhof ist sie unter dem Namen Adele Schmid beerdigt: Ihre Familie hatte posthum die Namensänderung erwirkt.

 

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Letzte Änderung: 19.10.2016 (JIO)