forum homosexualität münchen e.V. | Gerda Wegener
 

Gerda Wegener

„Eine Frau, die Frauen malte“

Gerda Wegener, geboren am 15. März 1886 als Gerda Gottlieb, war eine dänische Malerin und Illustratorin. Ihre Ausbildung erhielt sie an der dänischen Kunstakademie. 1904 heiratete sie den transsexuellen Künstler Einar Wegener (1881–1931), der später zu Lili Elbe werden sollte. Gerda Wegener malte hauptsächlich Frauen, darunter auch ihren Mann, der für sie in Frauenkleidern posierte und dessen spätere Geschlechtsumwandlung sie unterstützte.

Die Wegeners ließen sich nach Reisen durch Italien und Frankreich schließlich in Paris nieder, wo Einar seine eigene Kunst zugunsten der Arbeit seiner Frau zurückstellt. Garçonnes, glamouröse Diven und sinnliche Frauen gehörten zu Gerda Wegeners Lieblingsmotiven im Stil des Art déco; Verkleidungen, das Spiel mit Identitäten, Masken, Feste und Theater waren ihre Themen. Gerda Wegener war eine gefragte Porträtistin und gewann bei der Pariser Weltausstellung 1925 zwei Goldmedaillen. Daneben schuf sie Gebrauchsgrafik u. a. für Modezeitschriften wie die Vogue. Gewagter wurde ihre Arbeit, als sie erotische Szenen zwischen Frauen für Kunstbände malte, was bei Ausstellungen Empörung und teils Tumulte auslöste.

Die Wegeners waren sehr erfolgreich und führten ein großes Haus. Als Einar Wegener 1930 zur Frau wurde, annulierte der dänische König die Ehe, Gerda und Lili blieben aber zeitlebens eng verbunden. Lili Elbes Tod 1931 traf Gerda Wegener hart, die einen italienischen Offizier geheiratet hatte und nun in Marokko lebte. Sie ließ sich 1936 scheiden und kehrte 1939 nach Dänemark zurück, konnte künstlerisch aber nicht mehr an ihre alten Erfolge anknüpfen. Gerda Wegener starb vergessen am 28. Juli 1940.

 

© 2018, forum homosexualität münchen e.V., Impressum
Letzte Änderung: 19.10.2016 (JIO)