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Werner Röglin

„Ich habe es so genommen, wie es gekommen ist, und war froh, dass ich das spielen durfte.“

Werner Röglin, geboren am 23. April 1938, wurde nach seinem Auftritt in dem pseudowissenschaftlichen Aufklärungsfilm „Abarten der körperlichen Liebe“ (1969) durch rund 20 Filmrollen die bekannteste Klischee-Tunte in deutschen Hetero-Sex-Komödien der Siebzigerjahre. Seine Rollen triefen von schwulen Klischees und fahren das gesamte damalige Tunten-Repertoire auf, vom rosa Fummel bis zum abgestandenen Schwulenwitz über „warme Berliner“ – sexuelle Leidenschaft unter Schwulen sieht man jedoch nie.

Die NDR-Doku über Werner Röglin „Schenk mir Liebe, Monsieur – Travestie zwischen Show und Alltag“ von 1985 macht deutlich, dass bei ihm Privatleben und Rolle kaum voneinander zu trennen waren. Der Blick auf Röglin ist facettenreich: glückliche Momente mit seinem Lebensgefährten Max und Travestie-Auftritte in seiner Münchner Klenze-Bar, die er seit 1975 führte, werden genauso gezeigt wie seine Einsamkeit und seine finanziellen Sorgen.

Für Röglin war sein Auftreten als offen schwuler Mann in München nicht immer einfach. Er erhielt drei Morddrohungen und bekam auf der Straße wegen seines extravaganten Outfits in Weiß „blöde Tunte“ und „Elvis lebt“ zu hören, denn auch privat entsprach Röglin dem Klischee des effeminierten Schwulen deutlich. Im Rückblick zeigte er sich enttäuscht über seine Filmkarriere: „Ich habe meistens Schwule gespielt. Also im Grunde bin ich eigentlich ausgenutzt worden. Die haben mich benutzt als schwules Moment.“ Werner Röglin starb, unbemerkt von der Öffentlichkeit, am 20. Dezember 2011.

Dank an Erwin In het Panhuis für die Recherche zu Werner Röglin

 


 

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Letzte Änderung: 26.04.2018 (JIO)