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URL:https://forummuenchen.org/veranstaltungen/imitationen-von-paul/
SUMMARY:Imitationen von Paul
DESCRIPTION:Eröffnung am Freitag\, 1. Mai 2026 von 18:00 - 21:00\n\nNur di
 e wenigsten Biografien hinterlassen ein geschlossenes Archiv. Die meisten 
 existieren vor allem als Spur – in Bildern\, in Beziehungen\, in dem\, w
 as wiederholt\, zitiert oder verschwiegen wird. Das Werk von Philipp Gufle
 r setzt genau an diesen Leerstellen an und integriert Fragmente von Geschi
 chte(n) in seine künstlerische Praxis. Für die Ausstellung Imitationen v
 on Paul tritt er in einen Dialog mit dem Maler Paul Hoecker (1854–1910)\
 , dessen Leben und Werk lange marginalisiert wurden und dessen umfangreich
 es Œuvre bis heute nicht vollständig katalogisiert ist. Hoecker’s Karr
 iere fand 1898 ein abruptes Ende\, nachdem seine Homosexualität öffentli
 ch zu werden drohte.\n\nIn Imitationen von Paul nimmt Gufler Hoeckers viel
 schichtige Biografie zum Ausgangspunkt für einen Akt künstlerischer Iden
 tifikation. Die gezeigten Stoff- und Keramikarbeiten untersuchen\, wie sic
 h aus fragmentarischen\, archivalischen Spuren neue Formen\, Bilder und Er
 zählungen entwickeln lassen. Imitation erscheint hier jedoch nicht als bl
 oße Nachahmung\, sondern – in Anlehnung an die Kunstform des Drag – a
 ls Praxis der Aneignung\, Überspitzung und Transformation: als ein produk
 tives Verfahren\, das Nähe herstellt\, Differenz anerkennt und im Wiederh
 olen etwas Eigenständiges hervorbringt.\n\nDer Erzählung gegenüber\, di
 e Abgeschlossenheit behauptet\, begreifen Guflers Arbeiten Geschichte als 
 offenes Gefüge\, das durch künstlerische Bezugnahme weitergeschrieben un
 d verschoben werden kann. In der bewussten Wiederaufnahme von Motiven\, Ha
 ltungen und Gesten entsteht eine neue Setzung. Während die Stoffarbeit Im
 itationen von Paul allen bislang bekannten Arbeiten Hoeckers in Form texti
 ler\, halbtransparenter Siebdrucke eine beinahe geisterhafte Präsenz im G
 alerieraum verleiht\, beschreitet Gufler mit der Keramikserie Sexualästhe
 tiken einen neuen Weg. Hier treffen Bilder aus und über Hoeckers Leben au
 f kunst- und sozialhistorische Bildzitate\, die den umfangreichen Bildsamm
 lungen aus dem Umfeld des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld entnomm
 en sind. Die zitierten Motive kreisen um Lust und Sexualität und reichen 
 von prähistorischen Höhlendarstellungen über mittelalterliche und neuze
 itliche Kunst bis hin zu Fotografien des frühen 20. Jahrhunderts. So komb
 iniert Gufler Hoeckers Gemälde Ave Maria unter anderem mit einem Holzschn
 itt\, der die Folter von Menschen zeigt\, deren teils lustvoller Gesichtsa
 usdruck jedoch weniger an Leiden als vielmehr an den Marquis de Sade erinn
 ert. Diese Arbeiten lösen sich von einer biografischen Lesart im engeren 
 Sinne. Sie funktionieren assoziativ.\n\nSowohl den Stoff- als auch den Ker
 amikarbeiten ist dabei eine ausgeprägte Körperlichkeit eigen: Die Stoffa
 rbeit zeigt Hoeckers bisher bekanntes Œuvre und verleiht den Motiven trot
 z ihrer materiellen Leichtigkeit eine unleugbare Präsenz\, wobei der wei
 ße Stoff alle Motive versammelt\, die der Forschung bisher bekannt sind\,
  während der schwarze Stoff jene Motive zeigt\, die heute als verschollen
  oder zerstört gelten oder deren aktuelle Besitzer*innen die Forschungsgr
 uppe Paul Hoecker bisher nicht ausfindig machen konnte. Von jedem Gemälde
  fertigte Gufler in physisch anspruchsvollen Arbeitsschritten Siebdrucke i
 m Originalmaßstab an. Auch in den Keramikarbeiten nutzt er die Siebdruckt
 echnik und schichtet die Motive zwischen den einzelnen Brennvorgängen üb
 ereinander\, die schließlich von der stark glänzenden Glasur teilweise w
 ieder verdeckt werden. Dieses bewusste Spiel mit Ver- und Enthüllung erh
 ält durch die Verwendung von Stempeln eine zusätzliche räumliche Dimens
 ion und macht die Arbeiten zu Reliefs. In ihrer ausgeprägten Materialitä
 t bilden die Keramikarbeiten eine spannungsvolle Ergänzung zur immateriel
 l wirkenden Stoffarbeit.\n\nAls Gründungsmitglied der Forschungsgruppe Pa
 ul Hoecker ist Gufler selbst an der kollektiven Recherche zu Hoeckers Lebe
 n und Werk beteiligt. Diese gemeinschaftliche Wissensproduktion bildet ein
 en wesentlichen Hintergrund der Ausstellung und wird exemplarisch durch ei
 ne Zusammenstellung relevanter Archivalien im letzten Ausstellungsraum pr
 äsentiert. Die gemeinsam erarbeiteten Erkenntnisse übersetzt Gufler schl
 ießlich in seine eigenständige künstlerische Perspektive. Die Ausstellu
 ng entfaltet sich so im Spannungsfeld von kollektiver Wissensproduktion\, 
 individueller Autor*innenschaft und der kritischen Reflexion einer lange m
 arginalisierten Künstlerbiografie.\n\nBegleitend zur Ausstellung erschein
 t die Publikation Spuren von Paul / Traces of Paul (Splitter 19\, Forum Qu
 eeres Archiv München in Zusammenarbeit mit BQ\, Berlin)\, die Ausstellung
  und Forschung als performative Kollektivarbeit verbindet. In der Vielstim
 migkeit von Texten und Bildern erscheint Paul Hoecker als Teil eines offen
 en Prozesses fortlaufender historischer und künstlerischer Neubefragung.\
 nText: Nicholas Maniu und Christina Spachtholz
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