Das forum homosexualität münchen e.V. – Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur – distanziert sich ausdrücklich von den Aussagen, die Wolfram Setz im Rahmen seiner Rede während des Festakts für Karl Heinrich Ulrichs zum Thema Pädophilie bzw. Pädosexualität geäußert hat.
Diese Inhalte waren von uns weder angefordert worden noch mit uns abgesprochen. Setz war vielmehr als ausgewiesener Ulrichs-Spezialist eingeladen worden, um über dessen historische Verdienste für die Homosexuellen-Emanzipation zu berichten. Insbesondere distanzieren wir uns von dem Vorhaben, das Kürzel LGBTIQ um ein P für Pädophilie zu erweitern. Dies schon allein deshalb, da sich pädophiles Begehren sowie pädosexuelles Verhalten nicht nur bei LGBTIQs, sondern auch bei Heterosexuellen findet, so dass es schon logisch in eine andere Kategorie gehört.
Selbstverständlich gehen wir davon aus – wie übrigens auch Karl Heinrich Ulrichs – dass einvernehmliche sexuelle Beziehungen in keiner Weise vom Strafrecht erfasst werden sollten. Wir sind aber auch davon überzeugt, dass dieses Einvernehmen bei Jugendlichen unterhalb der gesetzlichen Schutzaltersgrenzen in Beziehungen zu Erwachsenen wegen des fehlenden oder noch nicht voll entwickelten sexuellen Bewusstseins der Jugendlichen nicht vorausgesetzt werden kann. Deren Schutz hat daher Vorrang vor dem sexuellen Begehren der Erwachsenen, so dass solche Übergriffe sanktioniert werden sollten.
Besonders ärgerlich finden wir es, dass durch Setz` Behauptungen Karl Heinz Ulrichs für pädosexuelle Anliegen instrumentalisiert wird, obwohl sich in seinen Schriften kein Hinweis auf pädophiles Verlangen findet. Vielmehr schreibt er selbst über sein Verlangen nach erwachsenen Männern. Und er fordert keine Straffreiheit für pädokriminelle Handlungen, sondern lediglich, dass auch Personen, die verdächtigt werden, solche begangen zu haben, selbstverständlich ein faires Verfahren zusteht. Setz` Aussagen sind also eine unzulässige Vereinnahmung, die der Person und den Auffassungen von Ulrichs und auch unseren widerspricht.
