Gestern, am 18.04.2018 wurde mit einem Festakt in München ein neues Denkmal für die Aktivitäten und Projekte der Neuen Frauen- und Lesbenbewegung („Wegmarke“) enthüllt.
Es befindet sich vor dem Haus Güllstr. 3, dem ehemaligen „Treibhaus – Haus für Frauenprojekte“.
Dort arbeiteten seit 1985 zeitweise zehn Frauenprojekte in von der Hauptmieterin FrauenTherapieZentrum (FTZ) angemieteten Räumen. Die „Wegmarke“ erinnert an diesen Kristallisationspunkt der Neuen Frauen- und Lesbenbewegung. Das Haus ist bis heute Sitz des erheblich gewachsenen FrauenTherapieZentrums.
Die „Wegmarke“ hat drei Komponenten: Das vor dem Haus Güllstraße 3 befindliche, aus dem Jahr 1985 stammende Holzschild wurde renoviert und durch ein Gedenkschild ergänzt, dass die damals im Haus arbeitenden Frauenprojekte auflistet. Drittes Element des Gedenkprojekts ist eine Webseite Wegmarken mit mehr Informationen zu den einzelnen Projekten.
Anlässlich des Festaktes sprachen Gisela Hilbert, Geschäftsführerin des Trägervereins des Frauentherapiezentrums, Ulrike Mößbauer von der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen für die Stadt München, Barbara Feser, eine frühe Aktivistin des Frauentherapiezentrums und Ariane Rüdiger, Initiatorin, forum homosexualität münchen e.V. Das Denkmal wurde gefördert von drei Institutionen der Landeshauptstadt München: Kulturreferat, Münchner Regenbogen-Stiftung und Bezirksausschuss 2.

Zitate:

„Mit dieser Wegmarke tragen wir dazu bei, die Erinnerung an die Aktivitäten der Neuen Frauen- und Lesbenbewegung in Münchens Straßenbild deutlich sichtbar zu machen.“
Ariane Rüdiger, Initiatorin des Projekts, forum homosexualität münchen e.V.:
„Dieses Haus, das ehemalige Treibhaus – Haus für Frauenprojekte ist ein Ort, an dem Impulse entstanden, Initiativen gegründet und entwickelt wurden – heute sind daraus große Einrichtungen geworden, die aus der Münchner Soziallandschaft gar nicht mehr wegzudenken sind wie beispielsweise das Frauentherapiezentrum, das Frauengesundheitszentrum oder die Lesben-Beratungsstelle Letra.“
Ulrike Mößbauer, Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Landeshauptstadt München

„Herr und Frau Müller, die damaligen Eigentümer des Hauses Güllstr. 3, konnten nicht ahnen zu welcher Erfolgsstory der Frauen- und Lesbenprojekte sie grünes Licht gaben, als sie sich 1985 auf das Abenteuer einließen, den Vorstandsfrauen und dem Team des FrauenTherapieZentrums dieses schöne große Stadthaus anzuvertrauen“.
Barbara Feser, frühe Aktivistin des Frauentherapiezentrums
Hintergrund
Die Neue Frauen- und Lesbenbewegung entstand im Zuge der 1968er Revolte. Sie bekämpfte Benachteiligungen von Frauen und Lesben im öffentlichen und privaten Leben, versuchte, sie vor Gewalt zu schützen und wollte ihnen endlich einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft sichern. In München entstanden so viele autonome Frauenprojekte zu verschiedensten Themen, die ihren Adressatinnen Hilfe, Beratung und eigene Aktivitätsmöglichkeiten boten und bieten. „Wegmarken“ schreiben die historische Bedeutung von Orten der Neuen Frauen- und Lesbenbewegung ins Stadtbild Münchens ein. Das Projekt steht im Kontext der Bemühungen der Landeshauptstadt München, das Andenken an die Aktivitäten der Neuen Frauen- und Lesbenbewegung als Teil der Stadtgeschichte zu bewahren. Dazu gehören unter anderem auch der von der Landeshauptstadt München veröffentlichte Themengeschichtspfad zur Geschichte der Schwulen- und Lesbenbewegung in München, zur Geschichte der Frauenbewegung in München und das Lesbenarchiv des von der Landeshauptstadt München geförderten forum homosexualität e.V. – Lesben und Schwule in Geschichte und Kultur.



