Am vergangenen Mittwoch, den 20. Februar 2019 ist Erich Haas gestorben. In fünf Monaten wäre er 100 Jahre alt geworden. Er war wahrscheinlich der älteste schwule Mann Münchens, zumindest der älteste, der offen als „Homo“ lebte, wie er sich selbst lieber bezeichnete.

Sein Leben reichte in längst vergangene Zeiten zurück, sein siebenbürgischer Dialekt wies auf seine Herkunft aus der deutschen Volksgruppe im heutigen Rumänien hin. Mit seiner gutbürgerlichen Familie musste er seine Heimat im Zweiten Weltkrieg verlassen und ließ sich in Bayern nieder. In München lernte Erich 1946 seinen Mann Klaus kennen, mit dem er 40 gemeinsame Jahre verbringen sollte. Mit dem ihm eigenen Selbstvertrauen integrierte er sein schwules Leben in das seiner konservativen heimatverbundenen Familie und erreichte es, akzeptiert zu werden.
Erich war Hotelfachmann von der Pike auf und konnte als Empfangschef im Hotel Bayerischer Hof die Berühmtheiten der Welt empfangen.
Von 1958 bis 1960 war ihr gemeinsames „Petit Café“, in der Nähe des Isartors, einer der ersten Treffpunkte für Homosexuelle in München im Nachkriegsdeutschland. Durch eine Unvorsichtigkeit mit einem gemeinsamen Geliebten gerieten Erich und Klaus in die Fänge der Staatsanwaltschaft. Die Justiz griff mithilfe des Unrechtsparapraphen 175 hart durch, und Erich verlor im Jahr 1960 einen ihm in Aussicht gestellten Job.
Trotz aller Rückschläge und dem Tod seines Lebensgefährten, dem er 2009 seine Autobiografie „…eines Freundes Freund zu sein…“ widmete, ließ Erich sich nicht entmutigen und trat schließlich auch, mithilfe des forums homosexualität münchen e.V., als Zeitzeuge in der Öffentlichkeit auf. 15 Jahre seines Lebens durften wir ihn begleiten, immer in der Gewissheit, einen guten Freund als Unterstützer und Ehrenmitglied an der Seite zu haben.
Wir trauern um Erich und werden ihn im Gedächtnis und in unseren Herzen bewahren.
Die Siebenbürgische Zeitung über Erich Haas: Weltbürger und Vorkämpfer der gleichgeschlechtlichen Liebe – Erich Haas zur Erinnerung
