Deutschlands erster offen schwuler Kommunalpolitiker.“

Gerd Wolter, geboren am 14. Februar 1942 in Braunschweig, gestorben am 9. Februar 2019 in München, war Schauspieler und Autor, Kommunalpolitiker (Die Grünen), LGBTIQ*-Aktivist und Mitbegründer der Rosa Liste München.
Gerd Wolter wuchs zunächst in Frankfurt auf, bevor er 1964 nach München zog. Dem Theater und der Kultur zugewandt, gründete er dort in den 1970er Jahren ein Kinder- und Jugendtheater, bevor er sich als Autor mit eigenem Pressebüro der Öffentlichkeitsarbeit von Schauspielkolleg*innen und dem Theater widmete. Sein Hauptengagement galt dem „Theater rechts der Isar“. Seit 1978 war Wolter Mitglied der Homosexuellen Aktionsgruppe München (HAM) und gründete in diesem Jahr als Herausgeber die alternative Satirezeitschrift „Fliegenpilz“.
Gerd Wolter saß von 1984 bis 1990 als erster offen schwul lebender Stadtrat für Die Grünen im Münchner Stadtrat. Als Wolter 1989 dem Rotationsprinzip der Grünen zum Opfer fiel, kam es 1989 zur Gründung der Rosa Liste München, die seit 1996 mit den Grünen eine Fraktionsgemeinschaft im Münchner Stadtrat bildet. Sein politisches Engagement galt vor allem der Kultur: Als Theaterbeirat war Gerd Wolter zuständig für künstlerische Angelegenheiten.
Im Kampf um die gleichen Rechte für Homosexuelle war Wolter Pionier in einer Zeit, in der es viel Mut erforderte, sich zu homosexueller Orientierung zu bekennen. Der 1987 von CSU-Staatssekretär Peter Gauweiler ins Leben gerufene Maßnahmenkatalog auf Basis des Bundesseuchenschutzgesetzes zur Eindämmung von AIDS war Gerd Wolter ein Dorn im Auge. Die Betroffenen befürchteten durch die angedrohten rigiden Maßnahmen eine Zerschlagung der Münchner Szene. Letztendlich scheiterte Bayern mit dem Versuch, den Katalog bundesweit anzuwenden.
Mit viel Empathie engagierte sich Wolter als Behindertenbeauftragter der Stadt München für eine Verbesserung der Lebenssituation sozial schwacher und behinderter Bürgerinnen, beispielsweise für die Einführung von Niederflur-Trambahnen.
Für seine Verdienste um die Landeshauptstadt München wurde Gerd Wolter 1990 mit der Medaille „München leuchtet – Den Freundinnen und Freunden Münchens“ in Silber ausgezeichnet. Er verstarb am 9. Februar 2019 in München.
Publikationen
- Männerbeschreibungen – Mann oh Mann. männerREADER, Trier 1980 (Hrsg.)
- Fliegenpilz. Zeitschrift für Politik und Literatur, München 70er/80er Jahre (Co-Hrsg.)
Von Norbert Wagner

