„Meine Lieder werden immer anders sein. Weil ich anders bin – und eines Tages anders leben werde.“
Daniel Küblböck bei einer Signierstunde im Kaufhaus Hertie zur Veröffentlichung von „Ich lebe meine Töne“ in München 2003, München, Foto: Philipp Gufler
Lana Kaiser wurde am 27. August 1985 als Daniel Dominik Küblböck in Hutthurm in Niederbayern geboren. Sie war queeres Pop-Idol, Realitystar, Sänger*in, Werbefigur, Autor*in, Unternehmer*in und gilt als queere Ikone und Identitätsfigur, die Geschlechtergrenzen und gesellschaftliche Normen durchbrach.
Ihre Kindheit verbrachte Lana bei ihrer alkoholkranken Mutter und ihrem älteren Bruder, wo sie körperlicher und seelischer Gewalt ausgesetzt war. Die Missachtung, die sie von ihrer Familie erfuhr, waren ihr schon früh Ansporn, ihr Anderssein zu akzeptieren und auszuleben. Ihre größte Liebe galt der Musik, ihre größte Freude war es, sich zu verkleiden und vor Freund:innen erste Auftritte zu inszenieren.
1998 absolvierte Lana Kaiser eine Tanzausbildung in Passau und begann 2001 eine Ausbildung in der Kinderpflege, die sie 2002 abbrach, um an der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ teilzunehmen. Dort präsentierte sie sich unbekümmert geschminkt in bunten androgynen Kostümen, sang und tanzte in 16 Folgen und machte die Bühne zu ihrem Spielplatz. Ihre „positive Energie“, die zu ihrem Markenzeichen wurde, und ihre authentischen Auftritte eroberten die Herzen der Zuschauer:innen und führten zu einem Plattenvertrag und Charterfolgen.
Ihr bisexuelles Outing in der Sendung, die bis zu 15 Millionen Zuschauer verfolgten, gilt als Akt des Empowerments. 2003 erhielt sie den Silbernen Otto der Zeitschrift Bravo als zweitbester Nachwuchskünstler. Die erst 17-Jährige sensibilisierte mit ihrem Auftreten eine ganze Nation für LGBTQIA+-Menschen, war jedoch auch massivem öffentlichem Hass, Mobbing und Morddrohungen ausgesetzt.
Mit der 2003 erschienen Biografie „Ich lebe meine Töne“ setzte sie sich ein frühes Denkmal. 2011 nahm sie den Nachnamen ihrer Adoptivmutter, Kaiser an. Lana wandte sich neben dem Pop auch dem Jazz zu, sang auf Deutsch und Spanisch und gab bis zuletzt für ihre treuen Fans regelmäßig Konzerte. Von 2015 bis 2018 besuchte sie eine Schauspielschule in Berlin.
Im August 2018 zeigte sich Lana Kaiser auf Instagram als „Rosa Luxemburg“ und kündigte auf Facebook an, künftig als Frau leben zu wollen. Sie habe bereits mit der zur Transition notwendigen Hormontherapie begonnen. Im September 2018 trat sie auf einem Kreuzfahrtschiff die Reise von Hamburg nach New York City an. Passagiere berichteten, es sei an Bord wegen ihres Auftritts zu queerfeindlichen Beleidigungen gekommen.
Lanas vermutlich letztes Lebenszeichen war eine in der Nacht vom 9. September 2018 an ihren früheren Lebenspartner gerichtete Sprachnachricht, bevor sie offenbar über Bord ging. Kurz darauf gestartete Suchaktionen blieben erfolglos. Am 22. Februar 2021 wurde Lana Kaiser für tot erklärt. Das Forum Queeres Archiv München e.V. verwahrt den Fan-Nachlass von Philipp Gufler mit Materialien über Lana Kaiser/Daniel Küblböck.
Von Norbert Wagner
Literatur und Filme
Daniel Küblböck/Julia Boenisch: „Ich lebe meine Töne“, Random House, München 2003 Ulli Lommel (Kinofilm): „Daniel, der Zauberer“, 2003 Philipp Gufler (Kurzfilm): „Lana Kaiser“, 2020 Tristan Ferland Milewski (Fernsehfilm): „Die Küblböck-Story – Eure Lana Kaiser“ (drei Teile), 2025
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