Pferde und die kargen Weiten Nordfrieslands – mindestens eins von beidem sollte frau schon mögen, um den neuen Streifen einer der bekanntesten feministischen deutschen Filmemacherinnen, Monika Treut, aus vollen Zügen genießen zu können.
Im Grunde geht es darin um den über Natur und verständnisvolle Menschen vermittelten Weg zu sich selbst. Treut ist in dem Film zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt, denn sie stammt aus Nordfriesland. Im Verleih ist der Film bei der Edition Salzgeber.
Der 82-Minuten-Streifen dreht sich um ein elternloses lesbisches Mädchen, Alex (Ceci Chuh), das, bei einer Adoptivmutter aufgewachsen, während der Pubertät in Schwierigkeiten gerät. Seine Adoptivmutter schickt es deshalb, sozusagen als letzte Chance, zu einem Praktikum auf einem Pferdehof in Nordfriesland. Für den Reitunterricht ist dort die lesbische Nina (Vanida Karun) zuständig. Karun nahm schon an den Segeberger Karl-May-Festspielen teil und hat offensichtlich auch im realen Leben Pferdeverstand.
Nina lässt sich von Alex` Unberechenbarkeit und ihrer ostentativen Langeweile in der abgelegenen Gegend nicht beeindrucken. Sie verrät Alex auch nicht, wenn sie immer wieder über die Stränge schlägt. Alex gewinnt allmählich im Umgang mit den Tieren Selbstbewusstsein. Als schließlich die etwa gleichaltrige, aber behütet und verwöhnt aufgewachsene Kathy (Alissa Wilms) mit ihrem Pferd zum Reiterurlaub auf dem Hof eintrudelt, beginnen die beiden so unterschiedlichen Mädchen langsam, sich anzunähern, was natürlich nicht ohne Stolpersteine abgeht. Zu den schönsten Momenten dieser Coming-of-Age-Geschichte gehört es, wenn sich allmählich Lachen und Fröhlichkeit in Alex` trauriges Gesicht schleichen. Ich persönlich bin der Filmautorin dankbar, dass sie auf übertriebenes Drama im Stil amerikanischer Kassenschlager verzichtet hat. So bleibt mehr Raum für den Blick nach innen. (ar)
