Christiane Leidinger baut an einer Theorie politischer Aktionen und erweitert die bestehende vor allem durch einen Blick auf queer-feministische Aktivitäten.
Politische Aktionen, handele es sich nun um Demos, Straßentanzen, Blockaden, Flugblattverteilen, Sprayen oder Containern, wurden in den Sozialwissenschaften und in der Politikforschung nicht gerade mit Aufmerksamkeit überschüttet. Und wenn, dann standen meist linke, rechte oder anarchistische Aktivitäten im Mittelpunkt der Betrachtung und gaben zu theoretischen Schlussfolgerungen Anlass, die wiederum den offiziellen Stand der Wissenschaft bilden.
Dies möchte Christiane Leidinger ändern, indem sie die bisherigen Analyseansätze zu politischen Aktionen selbst analysiert und darauf untersucht, ob sie das Bild der Wirklichkeit ausreichend vollständig wiedergeben, oder ob die bisherige Theorie zu politischen Aktionen einer Erweiterung angesichts jüngerer Aktivitäten bedarf.
Wie nicht anders zu erwarten, wird sie fündig. Denn gerade die Aktivitäten radikaler FeministInnen oder Queer-AktivistInnen (Christiane Leidinger möge mir verzeihen, dass ich der Einfachheit halber Zuflucht zum großen I nehme) sind bisher in die Theoriebildung nicht oder jedenfalls nur ungenügend eingeflossen. Dabei erweitern sie die bisherigen Blickwinkel und theoretischen Vorstellungen erheblich, und genau darum geht es der Autorin.
Das Buch ist keine unbedingt unterhaltsame Lektüre, wer sich jedoch mit politischen Aktionen theoretisch befasst oder über eigene bereits durchgeführte oder geplante Aktionen reflektieren möchte, kann sich in dieser Arbeit Anregungen holen. Denn woanders werden entsprechende Queer-/Transgender oder feministische Menschen möglicherweise erleben, dass gerade ihre geplante Aktionsform von der Wissenschaft eigentlich nicht vorgesehen ist oder nicht wahrgenommen wird.
Bibliographie: Christiane Leidinger: Zur Theorie politischer Aktionen. Eine Einführung. Edition Assemblage, Münster, 1. Auflage 2015. Broschiert, 152 Seiten, 12,80 Euro. ISBN 978-3-942685-96-6
