Der mit dem Max-Ophüls-Preis 2017 ausgezeichnete Spielfilm „Siebzehn“ (Regie: Monja Arts) ist bestens dazu geeignet, Erinnerungen an die Irrungen und Wirrungen des eigenen Coming Out herufzubeschwören.
Der mit dem Max-Ophüls-Preis 2017 ausgezeichnete Spielfilm „Siebzehn“ (Regie: Monja Arts) ist bestens dazu geeignet, Erinnerungen an die Irrungen und Wirrungen des eigenen Coming Out herufzubeschwören – mit all dem Aufeinander-Zu und Aneinander-Vorbei, das solche Prozesse häufig auszeichnet: Paula liebt heimlich ihre Klassenkameradin Charlotte, die jedoch einen festen Freund, den gutmütigen Michael, hat, und ihre Gefühle scheinbar nicht erwidert. Insgeheim denkt sie jedoch ständig an Palula – auch, wenn sie mit Michael im Bett liegt. Paula, frustriert ob ihrer bislang fruchtlosen und von den Mitschülerinnen überwiegend bespöttelten offensichtlichen Verliebtheit wendet sich Tim zu, einem schüchternen Nerd, der sich tatsächlich in sie verliebt hat und nach vagen Hoffnungen erleben muss, dass bei Paula für ihn letztlich nichts zu holen ist. Auch der Französischlehrer scheint im Film nicht nur von Paulas Sprachkenntnissen fasziniert, scheitert jedoch ebenfalls. Lilli, eine andere Mitschülerin, verführt Paula schließlich, was weitere Wirrungen auslöst, denn Charlotte hat inzwischen begriffen, dass sie tatsächlich Paula will, aber nun brüstet sich Lilli damit, Paula erobert zu haben. Wer die Auflösung des Knotens erleben möchte, möge ab 27. April das Kino aufsuchen.
Neben der gekonnten Darstellung von jugentlicher Unbekümmertheit in der eher langweiligen ländlichen Umgebung, wo man sich in den immer gleichen Dorfdiskos und -kneipen der Umgebung trifft, schafft es der Film, das wahnsinnige Auf und Ab jugendlicher Gefühle – von himmelhoch jauchzend bis buschstäblich zu Tode betrübt – in Szene zu setzen, ohne je ins Kitschige abzugleiten. Die jugendliche Hauptdarstellerin Elisabeth Wabitsch bringt alle Gefühle glaubwürdig rüber, und ihr Abgang am Ende des Films wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben – als extrem gelungene Darstellung tief empfundener Rachegelüste. Wohltuend auch, dass der Film dem Publikum Darstellungen moralisierender Eltern oder die üblichen Coming-Out-Konflikte mit der Herkunftsfamilie erspart, sondern sich ganz auf die innere Entwicklung seiner jugendlichen Charaktere konzentriert.
Der Film dauert 104 Minuten, man braucht also etwas mehr Sitzfleisch als bei Bezahlfernseh-Serien und eignet sich garantiert als Rezeptur gegen verregnete Mainachmittage
